Interview mit Dorothee Schumacher"Wir Deutschen müssen zusammenrücken"

von AMICA Online Redakteurin
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© Mercedes-Benz Fashion Week Berlin
Geisha-artige Plateau-Schuhe stehen aufgereiht in der Ecke und warten auf ihren großen Auftritt. An eine Aufstellwand sind Fotos der Models in ihren Looks gepinnt, Schneiderpuppen begrüßen Eintretende. Im Saal nebenan wartet andächtig ein Laufsteg aus Teppich. „Ist das nicht zum Verlieben?“ fragt Dorothee Schumacher in die Vor-dem-Sturm-Ruhe. Ein Mitarbeiter hat ihr einen gerade gelieferten Metallic-Rucksack in die Hand gedrückt hat. Wer sie hier in ihrem provisorischen „Zuhause“ beobachtet – dem zum Atelier und Fitting-Saal umfunktionierten Auditorium in der Berliner Friedrichstraße – bekommt einen Eindruck von ihrer Leidenschaft Schönes zu erschaffen und Positives auszustrahlen.

1989 gründete die Designerin nach einer Ausbildung beim Luxuskaufhaus Peek & Cloppenburg ihr eigenes Label, heute gibt es ihre Kleider in 37 Ländern zu kaufen. Ihre Kreationen hatten Auftritte in "Der Teufel trägt Prada" und an Schauspielerin Milla Jovovich. Kurz: Dorothee Schumacher zählt zu den größten Designern Deutschlands, hat aber auch international Erfolg. Und genau deshalb will sie in Berlin bleiben. Einen Tag vor der Präsentation ihrer Frühjahr-Sommer-Kollektion 2014 sprach sie mit AMICA Online über ihre Detailliebe, die Modelauswahl und erklärte, warum uns Deutschen eine Portion Patriotismus in Bezug auf die eigene Mercedes-Benz Fashion Week gut tun würde.

© AMICA Online
AMICA Online: So kurz vor der Show würde man hier Trubel erwarten. Warum ist es so ruhig?

Dorothee Schumacher: Da bin ich selbst überrascht. Aber es liegt wohl daran, dass wir gestern sehr lange gearbeitet haben. Viele unserer Mädchen kamen da direkt von den Couture-Schauen in Paris. Wir haben sie extra einfliegen lassen.

Das heißt, Sie casten gar keine Models mehr?

Eigentlich wissen wir, wen wir haben wollen. Aber es gibt jedes Mal ein paar junge Talente, die die Agenturen uns gerne vorstellen wollen. So ist zum Beispiel Esther Heesch zu uns gekommen. Das heutige Top-Mädchen ist bei uns ihre erste Show gelaufen. Es ist uns sehr, sehr wichtig jedes einzelne Mädchen vorher zu treffen, ein Gefühl zu ihr aufzubauen. Esther kommt immer wieder.

Sportlich elegant und feminin, so beschreibt Designerin Dorothee Schumacher ihre Kollektion für Frühjahr/ Sommer 2014. Auf der Fashion Week zeigte sie auffällige Prints, klare Farben und Pop-Art. Was war dann gestern los?

Die Mädchen haben ihre Outfits anprobiert und es gab hier und da noch ein paar, sagen wir mal, Verschiebungen. Aber das finde ich auch wichtig, denn es gehört zu meiner Philosophie, das Look und Trägerin eine Symbiose ergeben sollen. Wenn das stimmt, kann das Kleid erst strahlen.

Wie stehen Sie zu mageren Models?

Es ist schon vorgekommen, dass ich ungesund aussehende Mädchen weggeschickt habe. Die neue Kollektion zum Beispiel ist selbstbewusst und sportlich, meine Models müssen diesen Spirit übertragen. Das kann keine, die zu mager ist.

Von den Models bis zur Einladungskarte - bei Ihnen scheint jedes Detail zu stimmen. Sind Sie perfektionistisch?

Es gibt mir einfach ein gutes Gefühl, wenn jede Kleinigkeit passt und ich weiß, dass ich Freude damit bereite. Unsere Seating-Karten verpacken wir zum Beispiel in Schmuckboxen und lassen sie in die Hotels bringen. Ich möchte Positivität ausstrahlen – mit Mode und Details. Das ist nicht nur eine Marketing-Idee, sondern steckt in unserer Firmen-DNA. Es ist toll zu sehen, dass das bei Frauen so gut ankommt.

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"Wir Deutschen müssen zusammenrücken"
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