Designer-LexikonDior

Als John Galliano 1996 bei Dior anfängt, brechen neue Zeiten an. „Er ist vor allem deshalb da, weil er aus einer andern Welt, einer anderen Modewelt, kommt“, schreibt der Literaturwissenschaftler und Modegeschichtsdozent Farid Chenoune im Bildband „Dior“ von Collection Rolf Heyne. „Der ursprüngliche Brennpunkt dieser Welt liegt im London der frühen Achtzigerjahre, wo eine Handvoll junger Leute eine neue ‚neoromantische‘ Moral des – extravaganten, kostümartigen, spektakulären – Erscheinungsbilds für sich erfand“.

Vive la femme
Fashion Week Paris, Christian Dior, John Galliano, Frühjahr-Sommer-Kollektion 2011, Haute Couture

Mit seiner ersten Haute-Couture-Schau im Januar 1997 schafft der Ex-Chefdesinger von Givenchy und Absolvent der renommierten „Saint Martin’s School of Art“ eine Sensation. Mieder und bunter Perlenschmuck, Tuniken aus lackierter Seide, perlenbestickten Massai-Kleidern und voluminösen Seidentüll-Röcke führten zu Schlagzeilen wie „Dior dank Galliano neu geboren“ (Associated Press).

Von da an, so Farid Chenoune, habe er sich vor allem durch den historischen Zeitraum von Ludwig XVI. bis Napoleon Bonaparte inspirieren lassen, die weibliche Aufmachung fetischiert (zum Beispiel mit schnurrbärtigen Soldatinnen im Leder-Look im Jahr 2000), sich zeitweise der Dekonstruktion von Kleidern gewidmet und Kultprodukte wie die „Saddle“-Bag (2000) und das Parfum „J’adore“ kreiert. Typische Christian-Dior-Elemente wie den Knoten, maskuline englische Stoffe oder Maiglöckchen erfindet der heute 50-Jährige immer wieder neu und inszeniert sie in fulminanten Schauen.

Zu diesen gehört stets die Reverenz ans Publikum: Nach jedem Defilee schlüpft er selbst in eine Rolle und betritt den Laufsteg – mal als Seemann, mal als Indianerhäuptling, mal als Napoleon, mal als Korsar.

Nach mehr als fünfzig Kollektionen ist dann im März 2011 plötzlich Schluss für den Designer. Aus unrühmlichen Gründen: Antisemitische Pöbeleien im trunkenen Zustand kosten ihn den Posten bei Dior. Raf Simons wird sein Nachfolger und führt ein Haus mit langer Geschichte.

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