Designer-Porträt Der Kampf gegen den Konformismus

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Eine erste Wegmarke. Doch nur in der öffentlichen Betrachtung. Denn bevor sie mit Malcolm McLaren, Impresario der Sex Pistols und Vater ihres Sohnes Joe, in der Presse auftauchte, war sie bereits aus einer anderen Verpuppung geschlüpft. Der einer Grundschullehrerin in der englischen Provinz, mit Ehemann, Kind und Eigenheim. Wahrscheinlich hätte niemand gedacht, der ihr damals begegnete, dass hinter Cardigan und Faltenrock bereits Rebellion nistete.

„Ich wollte raus“, erklärt sie heute, „und Malcolm war einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“ Mit ihm kam sie nach London, zum Shop in der Kings Road und zur Mode. „Leider“, sagt sie und lächelt süß wie jemand, der einem ein Stückchen Sahnetorte anbieten möchte, „leider werde ich immer in diese Sexecke gestellt. „Dabei“, Vivienne zieht den Satz genießerisch in die Länge, „hat mich Sex nie interessiert.“ Really? Für eine Frau jenseits der 60, die heute mit einem rund 25 Jahre jüngeren Ehemann zusammenlebt, die 1992 zur Verleihung des Order of the British Empire zwar im adretten Retro-Kostüm, dafür aber ohne Höschen vor der Queen erschien und deren Söhne beide im Business – „Der eine dreht Pornos, dem anderen gehört das Dessous-Label Agent Provocateur“ – sind, ein ziemlich gewagtes Statement. Mrs Westwood zuckt die Schultern. „Der einzige Grund, warum ich überhaupt in der Modebranche arbeite, ist der Kampf gegen den Konformismus.“
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Dem Diktat des jeweiligen Trends setzte sie einen Look entgegen, der alles sprengte, was bislang als tragbar galt. Rüschenhemden und Pluderhosen etwa, die sie 1981 in ihrer ersten professionellen Kollektion in London zeigte. Oder ihre Nostalgia-of-the-Mud-Show ein Jahr später. Zum ersten Mal seit Mary Quant präsentierte eine Engländerin Prêt-à-porter in Paris. Und erzählte – shocking! – auch nach der Trennung von McLaren 1983 noch unanständige Geschichten mit ihren Kleidern. 1995 mit der Vive-la-Cocotte- und vollends mit der Anglophilia-Kollektion 2002 war ihre Storyline klar: nämlich die Neukostümierung der Damenmode.
Ihre Erkennungsmerkmale: Schnürkorsetts, Belle-Époque-Tailleurs und Rokoko-Jupes, kostbare Jacquards, Karos und Killer-Heels. Plateauschuhe, die ihre Trägerinnen aus den Niederungen der Norm holten. Exzentrisch? „Nicht halb so exzentrisch wie die Idee, jeden Tag Hunderten seiner Spiegelbilder in der U-Bahn zu begegnen“, kontert Vivienne. „Ich habe nie verstehen können, warum Menschen ihre Einzigartigkeit derart verschleudern.“
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