Designer-Porträt Dompteuse wildester Ideen

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Einzigartig zu sein, das erlaube sich heute „außer mir, Margaret Thatcher und Queen Elizabeth niemand mehr“, meint die ehemalige Professorin der Universität der Künste in Berlin.

Von 1993 bis 2005 hat sie dort Modestudenten ausgebildet. Wobei zu ihrem Stundenplan nicht nur Schnitt und Textilkunde gehörten, sondern vor allem auch „Demut vor der Kostümgeschichte“. Was in der Praxis bedeutete, dass sie die jungen Leute Halskrausen oder Brokatgewänder nach Gemäldevorbildern anfertigen ließ. Originalgetreu. Stich für Stich in wochen- oder monatelanger Handarbeit. „Jeder, der einmal für ein High-Fashion-Label arbeiten will“, erklärte sie, „hat die Pflicht, diesen Schatz an Traditionen und historischen Techniken zu bewahren. Schließlich ist das unsere letzte Bastion vor dem Sieg der Instant-Mode.“ Dass man die Vergangenheit kennen müsse, um die Gegenwart und Zukunft zu gestalten, zeigte die Dompteuse wildester Ideen ihren Schülern auch noch auf andere Weise. Zu Beginn eines jeden Jahrgangs gab sie Bücherlisten aus, ließ als Hausaufgabe Werke von Goethe, Rimbaud oder James Joyce lesen. „Die Menschen müssen wieder lernen, Dinge aus Geschichte, Politik und Kunst richtig zu verknüpfen, bevor sie in der Mode mit Begriffen jonglieren, die durchaus eine Nummer zu groß sind für das, was wir machen. Wer Mode Kunst nennt und durch sie allein die Welt erklärt“, sagte Vivienne mit Seitenblick auf ihre Lieblingsfeindin, „Vogue“-Chefredakteurin Anna Wintour, „der ist entweder größenwahnsinnig oder einfach nur dumm."
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Demut. Ihren Berliner Studenten brachte sie diese Tugend zuweilen ziemlich brachial nahe. „Sieht aus wie German Hausfrau“, pflegte sie bei Modellpräsentationen gerade die allzu selbstverliebten Schüler abzukanzeln. „Wirf es weg.“ Tagelange Arbeit – für die Tonne! Und doch das Lernziel erreicht.
Vivienne selbst liebte es, ihre Demutsübungen in die Berliner Gemäldegalerien zu verlegen, wo sie, zuweilen völlig in die Betrachtung eines Watteau oder Tizian versunken, bereits über die Dinge sinnierte, die sie nun so formuliert: „In einem Bild von Tizian wird einem die menschliche Existenz als Ganzes klar. Wo sind heute die Künstler, die dazu in der Lage wären? Und vor allem: Wo sind die Betrachter, die einen Tizian auch erkennen können? Der Konsumkult hat uns nicht nur ins Mittelmaß und in die Beliebigkeit geführt, er wird uns auch in die Katastrophe stürzen.“ Wie bitte? Konsumkritik aus dem Mund einer Designerin, die neben Mode und Accessoires auch Parfüms, Swatch-Uhren, Wedgwood-Teegeschirr und Teppiche für The Rug Company entwirft?
Natürlich sei am Kauf eines Designerteils nichts Verwerfliches, „schon gar nicht, wenn es von mir stammt“. Aha. Aber? „Ich kämpfe gegen das gedankenlose Konsumieren. Gegen die Kulturlosigkeit. Nur wer über sich selbst und die Welt nachdenkt, macht sie zu einem besseren Ort. Und nur wer etwas mehr im Kopf hat als den neuesten Trend, hat letztlich auch die Persönlichkeit, sich gut anzuziehen.“ Nein, Viviennes neue Rolle ist nicht die der Sonntagspredigerin. Sie ist die Alte geblieben: die Rebellenkönigin gegen das Establishment.
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