Junge Designerinnen inga em. Hamburg

S. 3/4

 

inga em. Hamburg
Inga Meister, 35, Inhaberin von inga em. Hamburg
Ich hab´ meinen absoluten Traumjob!“
Die Modedesignerin Inga Meister arbeitet fast rund um die Uhr in ihrem Laden „inga em.“ im Hamburger Eppendorfer Weg. Dort entwirft sie ihre Kleider, Röcke und Shirts, näht und verkauft die fertigen Stücke, von denen es meist nur wenige Exemplare gibt.

Inga Meister hält nichts von großen Kollektionen. Sie sieht ihre Designkleidung als „Mode mit kurzem Verfallsdatum“, die meist nicht länger als ein halbes Jahr getragen wird. Dafür erhalten die Kundinnen bei „inga em.“ Trendiges, das den individuellen Touch hat, ohne Riesenlöcher in den Geldbeutel zu reißen. Für AMICA erzählt die Designerin, wie Nähen für sie zur Leidenschaft wurde...
Sie sind nicht gerade eine typische Modedesignerin. Wie fing alles an?
Das ist wirklich eine lange Geschichte. Im ersten Beruf war ich mal Zahnarzthelferin. Dann bekam ich Allergien und machte eine Umschulung zur technischen Zeichnerin, Fachrichtung Maschinenbau.

Es war damals schwierig, in diesem Beruf einen Job zu finden. Also wurde ich Aushilfe in einem Textilvertrieb. Die hatten gerade die Marke „Dickies“ nach Deutschland geholt. In der Zeit lernte ich eigentlich alles, was ich später für meine eigene Mode brauchte: PR, Einkauf, Vertrieb, Aufbau eines Labels.

Dann ging alles sehr schnell: Ich hörte bei Dickies auf und war ein paar Wochen arbeitslos. Aus Spaß bastelte ich mir eine Plüschtasche in sonnengelb. Wo ich damit unterwegs war, wurde ich darauf angesprochen.

Also ließ ich die Tasche in größeren Stückzahlen herstellen und verkaufte sie im Laden meines Mannes („Loonies“ auf der Hamburger Reeperbahn). Ein Freund von uns arbeitete damals für Premiere und sorgte dafür, dass die Tasche in den Premiere-Katalog aufgenommen wurde. 700 Stück haben die abgenommen, Wahnsinn.

Konnten Sie von Anfang an davon leben?
Als technische Zeichnerin fiel es mir nicht schwer, Kleidung zu entwerfen und umzusetzen. Meine erste Geschäftsidee war dann MIP – Made In Prison, der Versuch, mit Insassinnen des Frauengefängnisses Hahnöfersand eine Kollektion zu produzieren. Das ging leider ziemlich daneben. Die Behörden und die Medien spielten überhaupt nicht mit. Sehr schade, denn für die Frauen wär´s echt prima gewesen.

Naja, im Dezember 2000 habe ich endlich meinen eigenen Laden hier im Eppendorfer Weg aufgemacht und produziere hier für mein Label „inga em.“. Mein Mann betreibt ja das „Loonies“ auf der Reeperbahn. Für diesen Laden mache ich auch den Einkauf und arbeite dort am Samstag im Verkauf. Gemeinsam können wir davon gut leben.

Wie sieht Ihr Geschäftsmodell aus?
Ich mache das hier auf einer ziemlich kleinen Basis. Von meinen eigenen Sachen produziere ich, so viel der Stoff hergibt. Die werden fast direkt verkauft, sobald sie hängen. Dazu biete ich noch ausgewählte Stücke von anderen Labels an, Taschen von Anna Fuchs, Shirts von g-sus... Die Vertreter geben mir die Sachen auch in kleinen Stückzahlen, weil sie meinen Laden mögen.

Es ist eben ein Eine-Frau-Betrieb. Ab und zu näht noch eine Freundin mit. Sie studiert und arbeitet nebenbei für mich. Demnächst brauche ich mal eine regelmäßige Aushilfe, denn mittlerweile komme ich zu gar nichts mehr. Sobald ich den Laden aufmache, ist schon die erste Kundin da.

Im Augenblick bleibt auch zu wenig Raum für Ideen. Dazu muss ich den Kopf frei haben. Im Flugzeug zum Beispiel bin ich immer superkreativ. Mit den Ideen fahre ich dann nach Holland, um Stoffe zu kaufen. Manches kann ich auch einfach nicht umsetzen. Schließlich habe ich kein Geld für Gucci-Stoffe.

Wie sprechen Sie Ihre Kundinnen an?
Im Viertel hier sind ja ziemlich viele Modegeschäfte. Das zieht natürlich immer Laufkundschaft an. Und seit ich hier bin, sind einige Läden auch etwas mit den Preisen runtergegangen.

Außerdem habe ich sehr viele Stammkundinnen. Sie kommen von überall her regelmäßig vorbei. Einige fragen auch direkt: „Was hast du neu?“ und kaufen es mehr oder weniger unbesehen. Ich habe zum Beispiel eine sechzigjährige Kundin, die fast alles kauft. Das würde ich manchmal so nicht anziehen, aber ich finde ihren Mut klasse.
Kommentar schreiben
Name
Überschrift
Ihr Kommentar