Deutscher Glamour Vorbild USA
Dazu kommt: Fast überall in der westlichen Welt gehört Mode zur Kultur – in Deutschland nicht. Zu gut angezogen zu sein schafft Distanz, nicht nur bei der Berlinale-Eröffnung, auch beim Sommerfest im Tennisclub oder der Konfirmation des Patenkindes. Immer noch wird gern vermutet, dass Schönheit, Intelligenz und Talent nicht zusammengehen. „Dafür ist es nirgends auf der Welt leichter, durch hervorragendes Anziehen aufzufallen, als hier“, findet Philipp Wolff, „auch ein Vorteil.“ „Ich glaube nicht, dass hier eine bewusste Herausforderung der Künstler vorliegt, weil sie meist die Kleiderregeln der Bourgeoisie gar nicht kennen“, so Prinz Asfa Wossen-Asserate, Autor des Bestsellers „Manieren“. Junge Schauspieler werden noch zu wenig von ihren Agenten betreut, bekommen nicht erklärt, dass gesellschaftliche Reglements dafür da sind, eingehalten zu werden. Sich einem Dress-Code anzupassen bedeutet schlicht Respekt gegenüber dem Einladenden und nicht, die eigene Authentizität aufzugeben: Die Aufgabe des Gastes ist es, dem Rahmen den erhofften Glanz zu verleihen. Es ist kein Ausweis besonderer geistiger Unabhängigkeit, sich bestimmten gesellschaftlichen Spielregeln nicht zu unterwerfen.
Der rote Teppich hat eigene Gesetze: Hier geht es weniger um Kunst als um Startum, um Glamour, den großen Auftritt. Man könnte fast glauben, bei uns wollen die Stars nicht dem Publikum, sondern sich selbst gefallen. Aber damit erfüllen sie ihre Rolle nicht. Also bitte: Akzeptieren Sie Ihre Rolle, sehen Sie besser aus als der Rest. Versuchen Sie wenigstens, unwiderstehlich zu sein. Werden Sie eine Diva! Wie die Sterblichen sehen wir schließlich selbst aus.
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