Die Geschichte Louis VuittonsVom Pack-Service zum wertvollsten Label der Welt

© Archives Louis Vuitton

Es begann, als Frauen aussahen wie umgekehrte Blumenblüten. Als sie mit ihren Röcken kaum durch Türen kamen und sich nicht alleine ankleiden konnten. 1854, auf dem Höhepunkt der Krinolinenmode, eröffnete Louis Vuitton sein erstes Geschäft in der Rue Neuve-des-Capucines, spezialisierte sich „Auf Verpackung für Mode“. Der damals 33-Jährige stammte eigentlich aus einer Müllersfamilie, hatte aber Kistenmacher und Packer gelernt. Ein Können, das immer dann zum Einsatz kam, wenn reiche Pariser auf Reisen gingen.

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Louis-Vuitton-Posteranzeige aus dem Jahr 1887 für Paris und London

„Muss viel Kleidung mitgenommen werden, ist es das Beste, sie in der großen, 130 Zentimeter langen Anzugkiste zu verstauen. Rufen Sie einfach nach einem Packer, der die Kleidung faltet und in den Fächern unterbringt. Das erspart einem Erschöpfung und man kann viel lernen, denn diese guten Leute können viel. So kommt jedes Teil faltenfrei an“, heißt es in einem Ratgeber aus der Zeit, zitiert in der neuerschienenen Doppelbiografie „Louis Vuitton & Marc Jacobs“.

So sah es vor der Sommerresidenz der Kaiserin in Compiègne oftmals aus, als wolle die ganze Stadt einziehen. Bei 60 Gästen mussten da bis zu 900 Kisten von den Gepäckwägen gehievt werden. Es gab mehrere Arten die kostbaren Waren zu verpacken. Manche wurden nur mit Stroh und grobem Leinen umwickelt, andere in Weiden- und Kastanienkörben oder in Kisten aus Tannholz gehüllt und mit geölten Wachstuch abgedeckt.

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„Speedy Bag“ von Louis Vuitton aus dem klassischen „Damier Canvas“

„Zunächst muss Louis Vuitton die Koffer, die er verkauft, von anderen produzieren lassen“, berichtete sein erster Biograf. Aber Louis hat den Ehrgeiz Hersteller zu werden. 1860 lässt er für diesen Zweck eine Fabrik im Pariser Vorort Asnères bauen. Seine ersten eigenen Koffer sind mit wasserdichtem Leinen, dem „Gray Trianon“, überzogen. Auf die Farbschicht werden die Wappen und Monogramme der Eigentümer gemalt. Diese Technik avanciert zu seinem Markenzeichen.

„Über die Jahre beschäftigt sich Vuitton mit Kofferabdeckungen und lässt Leinen mit gemusterten Motiven patentieren, wodurch er seine Koffer von denen anderer Produzenten abhebt und seine Waren vor der um sich greifenden Praxis der Fälschung schützt“, beschreibt das Buch „Louis Vuitton & Marc Jacobs“, das vom 9. März bis zum 6. September 2012 gleichzeitig als Katalog für die gleichnamige Ausstellung im „Musée des Art Décoratifs“ in Paris fungiert. So meldet Louis Vuitton 1888 das „Damier Canvas“ mit seinem Namensschriftzug als Musterelement zum Patent an (sein Sohn Georges Vuitton entwickelt diese Optik später weiter und erfindet 1896 das heute so berühmte „LV“-Monogramm).

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Portrait von Louis Vuitton von H. Rozier aus dem Jahr 1892

Am 27. Februar 1892 starb Louis Vuitton. In den benachbarten Werkstätten war die letzte interne Nummer, die an diesem Abend angebracht wurde, die 3.793.239. Über das Begräbnis und seine Karriere berichtete die Tageszeitung „Journal d’Asnières“, mit folgenden Worten: „Er hat seine Firma mitten auf dem Feld gebaut […] jetzt kennt man sie überall.“ Denn: Durch die Teilnahme an der Weltausstellung in Paris hatte das Label Louis Vuitton internationale Beachtung erlangt.

Auch heute noch ist das „LV“-Signet auf der ganzen Welt ein Zeichen für Luxus und Modeliebe. Das Image des Hauses ist nun jedoch weniger durch Tradition, als vielmehr durch den „Pop-Star“ der Modewelt geprägt. Seit 1997 hält der Begründer des Grunge-Looks – einer, wie er es selbst nennt „hippiehaften, romantischen Version des Punk“- Marc Jacobs, bei Louis Vuitton die kreativen Fäden in der Hand. Zum ersten Mal in der Geschichte des Unternehmens sollte er eine Prêt-à-Porter-Kollektion entwerfen.

Kirmesmädchen
A model presents a creation by Marc Jacobs during Paris Fashion Week

Nach der ersten Schau mit minimalistischen Kreationen beschwerten sich viele darüber, nur eine einzige Tasche auf dem Laufsteg gesehen zu haben. Seine Antwort: „Wir haben eine Modenschau gezeigt, kein Gepäckförderband“. Wie er in „Louis Vuitton & Marc Jacobs“ zitiert wird, habe er seine Rolle nie darin gesehen das Universum von Louis Vuitton zu zerstören, sondern darin, ein Paralleluniversum zu erschaffen. Also tat er, was die Welt nicht erwartete ohne dabei das Herz der Marke zu verändern. Mit Erfolg: Egal ob er jetzt Leopardenmuster zeigt, weibliche 50ies-Kleider, zarte Lochspitze oder Fetisch-Looks – den Fans und Modekritikern gefällt es.

Für seine symbiotischen Kooperationen mit Künstlern wie Stephen Sprouse, Takashi Murakami, Richard Prince und aktuell der Poka-Dot-Königin Yakoi Kusama, ist er berühmt. Nicht umsonst gilt Louis Vuitton, Hauptmarke des Großkonzerns Louis Vuitton Moët Hennessy, heute als wertvollstes Luxus-Label der Welt.

Titel: Louis Vuitton & Marc Jacobs

Herausgeber: Pamela Golbin

Verlag: Collection Rolf Heyne, 2012

Preis: um 50 Euro