Die Zwillingsnadeln im Interview„Die Deutschen haben ihre Hutkultur verloren“

von Amici Fashion-Weeker
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[kein Linktext vorhanden]Kaum zu glauben: Noch im letzten Jahrhundert trauten sich unsere Eltern und Großeltern nicht aus dem Haus - ohne Kopfbedeckung . Heute ist das anders. Wer heute einen Hut trägt, fällt auf. Und das möchte man doch nicht.

„Das hat mit mangelndem Selbstbewusstsein zu tun,“ ist sich Modistin Claudia Köcher sicher. Die 1984 geborene Weimarerin fertigt seit 2007 eigene Hüte an. Die Zwillingsnadeln heißt ihr Label und fällt durch außergewöhnliche Motive und Designs auf. „Das Besondere an meinem Label ist die exklusive Handarbeit kombiniert mit Haute-Couture-Techniken und zeitloser Eleganz - gespickt mit einem Augenzwinkern“, verrät sie verschmitzt.

AMICA Online ließ sich ein paar ihrer Kreationen zeigen. Dabei verriet Claudia Köcher, was sie an Deutschen komisch und an der Hutmacherei toll findet.

AMICA Online: Sie sind vor rund sieben Jahren auf den Hut gekommen. Wie kam es dazu?
Claudia Köcher:
Ich mochte Hüte schon immer und habe irgendwann angefangen, Mützen und Hüte zu sammeln. Dann habe ich Hüte für mich angefertigt. Mich fasziniert an Hüten, wie sie die Persönlichkeit ihres Trägers unterstreichen beziehungsweise hervorheben. Es braucht oft nur einen Hut und schon verleiht man einem komplett schlichten Outfit Ausdruck. Es gibt keinen Menschen, dem nicht irgendein Modell steht. Es gilt nur den Richtigen finden.

Trauen sich die Deutschen denn an den Kopfschmuck?
Es gibt immer wieder Leute, die fast Angst davor haben, durch einen Hut oder Kopfschmuck wahrgenommen zu werden. Das ist manchmal schon fast komisch und hat eher mit mangelndem Selbstbewusstsein zu tun. Die Deutschen haben ihre Hutkultur und ihr Gefühl, sich zu kleiden, verloren. Gott sei Dank geht der Trend wieder hin zum Hut und es gibt immer mehr Menschen, die ihre Liebe zu Hüten und Stil neu entdecken.

Ihr Label ist in der Schiller-und-Goethe-Stadt beheimatet. Warum Weimar?
Ich kann in Weimar gut arbeiten. Es gibt hier ein großes Netzwerk an Kreativen und kleinen Designlabels. Dank des überquellenden touristischen Angebots sind jeden Tag Hunderte Menschen aus aller Welt in der Stadt und Viele lassen sich gern hier Kleidung, Schmuck oder auch Hüte anfertigen.

Welche Herausforderung birgt die Schaffung eines Hutes?
Die Hutherstellung ist ein Handwerk, das man beherrschen sollte. Sonst stimmt die Qualität nicht. Es ist oft nicht einfach, das passende Material für meine Ideen zu finden. Es vergehen Monate oder auch manchmal ein ganzes Jahr bis die Idee zum fertigen Modell wird. Nach den ersten Gedanken gehe ich erst alle Arbeitsschritte und die benötigten Materialien im Kopf durch. Wenn es irgendwo hakt, fange ich gar nicht erst an. Damit ich solche komplizierten Ideen nicht vergesse, mache ich mir in Skizzenbüchern oder auf bunten Karteizetteln Zeichnungen und Notizen dazu. In meinem Atelier liegen überall solche Zettel und Skizzenbücher mit Entwürfen, damit bin ich vermutlich für die nächsten zehn Jahre versorgt. Passt alles, starte ich.

Welche unterschiedlichen Arten von Kopfschmuck haben Sie im Angebot?
Momentan gibt es bei mir hauptsächlich Damenhüte, Kopfputze, Wintermodelle und Schiebermützen für Damen und Herren.

Mit welchem Outfit kombiniere ich Ihren Kopfschmuck?
Meine Hüte lassen sich zu fast allem kombinieren. Ich wollte nie reine Anlass-Hüte kreieren. Selbst meine Brautmodelle können auch nach der Hochzeit getragen werden. Hüte nur für einen Tag anzufertigen, wäre viel zu schade.

Welche Materialien verwenden Sie?
Ich verwende nur die hochwertigsten Stoffe und Materialien wie zum Beispiel Brautsatin, Seide, Stoffe aus Wolle, Alpaka, Mohair, Brauttüll, Strasssteine oder japanische Perlen. Zudem verarbeite ich alles selbst in meiner Hutmanufaktur in Weimar. Jeder Hut, jede Kappe oder Mütze ist zu 100 Prozent Handarbeit. Das wird auch immer so bleiben.

Wem würden Sie gern einmal einen Hut designen?
Ich arbeite sehr gern für Fotografen oder Designer, deren Arbeit ich mag. Sonst arbeite ich für jeden gern, der meine Arbeit zu schätzen weiß, egal ob prominent oder nicht.

Und wer ist Ihr Lieblingshutmacher?
Ich mag Steven Jones als Hutmacher sehr gern. Ansonsten verehre ich eher Designer wie Galliano, Gaultier, McQueen und Westwood.