KunstfigurHigh-Class-Erotikstar

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Dita von Teese und Marilyn Manson

Die im Cocktailglas badende Stripperin hatte sich in die Hirne aller Anwesenden geprägt. Seither hat Dita von Teese eine bemerkenswerte Karriere gemacht. Nicht nur, weil die zarte Person aus Los Angeles „der erste High-Class-Erotikstar der Welt“ ist, wie es das britische Männermagazin Arena formuliert hat.

Zuletzt beschäftigte die für das Frühjahr 2005 angekündigte und bis Redaktionsschluss nicht vollzogene Hochzeit mit dem „satanischen Glamrocker“ (Die Zeit) Marilyn Manson die Klatschwebsites und Boulevardblätter.

Man muss sich mit Dita von Teese befassen, weil sie etwas vermutlich lange Ersehntes kreiert hat: eine moderne, erotische Kunstfigur, die für Männermagazine und Frauenphantasien gleichermaßen geeignet ist. Kunstfiguren funktionieren am besten, wenn ihr Einsatz-
gebiet einer Wandlung unterliegt, die viele noch nicht bewusst registrieren, die sich in diesen Figuren aber bereits spiegelt. In Ditas Fall ist das Sex. Und unsere Vorstellung von Sex.

Mit ihrem makellosen 40erJahre-Teint, ihren rabenschwarzen Trümmerfraufrisuren und der perfekten Joan-Crawford-Beinhaltung blinkt sie wie ein dunkler Diamant aus einem Heer durchtrainierter Blondinen hervor. Sitzt man Dita von Teese gegenüber, dann sitzt man mit den 40ern am Tisch: fast gespenstisch perfekt, scheinbar original, ohne einen Anflug von Muff. Ihr Jane-Russell-BH unter der Bluse, die kirschroten Fingernägel, der Gang einer Film-diva, die Stimme, die klingen kann wie ein Schulmädchen und dann wieder hart wie Bette Davis. Und wenn sie in schwarzem Kostüm und High Heels in ihrem original 1939er-Chrysler-New Yorker durch Beverly Hills fährt, könnte man glauben, eine dunkle Elfe sei einem David-Lynch-Film entstiegen.

Nur mit Satinhandschuhen bekleidet ...

Ihr Stil hat großen Einfluss auf andere Größen des Showbusiness. Sängerin Beyoncé kopierte Ditas Martiniglastanz für ihr Video, auch Cameron Diaz versuchte sich in „Charlie’s Angels 2“ an so einem Strip im Glas. Und Ozzy Ozbourne, selbst als Bürgerschreck konzipiert, soll einem Schlaganfall nahe gewesen sein, als er die Sex-Ballerina tanzen sah. Danach war ihr die gesamte Aufmerksamkeit der Mode- und Partycrowd sicher.

Die Mode liebt Provokateure, besonders jene, die ihren Körper benutzen und dabei schön aussehen. Edeldessousmarken wie Agent Provocateur kopieren ihre gefährliche Ausstrahlung, Luxusfirmen wie Louis Vuitton und das britische Diamantenlabel Garrard haben sich Ditas Kunst bedient. Ausschließlich mit Satinhandschuhen bekleidet hat sie auf diamantenen Karussellpferden vor Designern wie Vivienne Westwood oder John Galliano performt.