Nie vulgärVerführung statt Porno

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„Es freut mich zu sehen, dass nicht alle Amerikaner so vulgär sind, wie ich dachte“, gab der französische Philosoph Bernhard-Henri Levy nach einer Dita-Show in Paris zu Protokoll. Die Kombination aus Humor und erotischer Raffinesse hatte Frankreichs schickster Intellektueller wohl nur bei Französinnen vermutet.

Auf ihrem Weg zur Kunstfigur studierte Dita von Teese die Darstellung von Sex in den 40er- und 50er-Jahren, eine Kultur der Andeutung. Das tat sie mit dem Wissen und mit dem Gefühl einer jungen Frau, die nach der sexuellen Revolution geboren ist und sich, wie viele ihrer Generation, Sex wieder als Spiel mit der Verführung wünscht und nicht als pornografischen Hyperrealismus. Man könnte behaupten, es handele sich hier um den Sex vor den Zeiten des Feminismus, doch so einfach ist die Sache nicht.

Nacktsein ist nicht mehr sexy

Nicht, dass Porno heutzutage besonders schockierend wäre. Das Buch der Pornodarstellerin Jenna Jameson hielt sich lange auf den vorderen Plätzen der amerikanischen Bestsellerlisten. Nacktheit ist kein Aufreger mehr, weder im Musikvideo noch auf Fernsehzeitschriften oder am Strand. Und seit „Sex and the City“ ist auch bei Frauen öffentliches Sprechen über Sex endgültig nicht mehr revolutionär. Stripperinnen in Neonstrings an Pooldancestangen sind in den letzten Jahren zum Standardrepertoire in vielen Großstadtclubs geworden. Nackt zu sein ist nicht mehr gefährlich. Mit anderen Worten: Nacktsein ist nicht mehr sexy.

Auf diese Stimmung trifft die Kunstfigur von Teese, die ihren Künstlernachnamen aus dem Telefonbuch pickte. Sie nannte sich „Treese“, bis der Playboy sich vertippte und daraus Teese machte. Dabei blieb es, vielleicht auch weil es wie „tease“ klingt, verführen, was Dita gut kann. „Ich bin nicht das Mädchen, das sich auf einer Party betrunken den Pullover hochreißt“, sagt Dita und charakterisiert damit ein neues Spießertum, das Sexualität als sinnenlosen Ausbruch aus dem Alltag benutzt.

Ihr Weg zum Ruhm


Aufgewachsen in Kalifornien und inspiriert durch die alten Playboy-Hefte ihres Vaters, beschloss Dita mit 15, in einem Laden für sehr teure Unterwäsche zu arbeiten. Dort entdeckte sie ihre Vorliebe für die Diven der 40er-Jahre, für die komplizierten Wäschearrangements jener Zeit, für Strumpfhalter und Spitze. An Ditas weiblichem und dennoch modernen Körper sah das sehr gut aus, doch in übliche Modelkategorien passte sie nicht.

„Es gab bereits Tausende von Mädchen, die wie Pamela Anderson aussehen wollten. Also dachte ich, dass ich es als Fetischmodel schaffen könnte, und färbte meine hellblonden Haare schwarz“, sagt sie. Es klappte. Sehr schnell avancierte sie zum Lieblingsmodel auf vielen Magazincovers. Eine größere Öffentlichkeit wurde für Dita empfänglich, als Nicole Kidman in ihrer Rolle als Edelstripperin Satine im Film „Moulin Rouge“ Aufsehen erregte, als Carmen Electra mit ihrer kabarettartigen Tanztruppe Pussycat Dolls in Los Angeles für Aufregung sorgte und Kosmetikfirmen wie Benefit für ihre komplette Ästhetik auf die unmittelbare Nachkriegszeit abzielten.