Dolce & Gabbana Golden Boys

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Niemand kleidet Frauen sexier als Dolce & Gabbana. Mark von Huisseling über ein kongeniales Paar.
Text: Mark van Huisseling
Bei den Filmfestspielen von Cannes im vergangenen Mai: „Fünf Anrufe in Abwesenheit“ stand auf dem Display meines Mobiltelefons, als ich von einem Bad im Mittelmeer zurückkam ins Hotel. Ich wählte die italienische Mobilnummer und ein PR-Mädchen von Dolce & Gabbana nahm den Anruf entgegen.

Ich fragte, was es Wichtiges gäbe, ob die Designer vielleicht ihre Firma verkauft hätten und man mir die News exklusiv geben wolle? Das Mädchen sagte, nein, man wolle mich auf die D-&-G-Party einladen. Ich solle vorbeikommen, um die Einladung abzuholen. Das ist eigentlich ein Auftrag, den man an die Assistentin weiterleitet. Vor allem, wenn man deswegen ins „Sofitel“, an den Stadtrand und weit weg von der Croisette fahren muss. Ich ging trotzdem hin. Denn ich vermutete, ich würde dort etwas Besonderes zu den beiden Italienern und ihrer Marke erfahren.
Man beneidete das Dutzend PR-Mädchen und -Jungs fast um das Arbeitsklima. Es sah aus, als hätten sie mit der Party schon mal angefangen, in ihrem Büro in dem Konferenzzimmer des Hotels. Doch alles funktionierte. Fast fühlte man sich ein bisschen verwöhnt, irgendwie special. Genau was man sich wünscht, wenn man ein Designer-Kleidungsstück kauft. Dass die Angestellten, die einem dieses Gefühl verschafften, in einem Sparhotel untergebracht waren, hatte man bereits vergessen.

Dolce und Gabbana, schon diese Namen sind so gut, dass man sie erfinden müsste, wenn es sie nicht gäbe. Dolce heißt süß, das weiß man, und was Gabbana heißt, weiß man nicht, aber es klingt toll. Vor allem klingt es kongenial. Wie Gilbert und George oder Oliver Hardy und Stan Laurel oder Jerry Bruckheimer und Don Simpson. Doch weil die beiden Italiener das „und“ zwischen ihren Namen durch ein kaufmännisches „&“ ersetzt haben, bekommen die kongenialen Namen gleich noch einen kommerziellen Beigeschmack. Das „&“ steht für „they mean business“ – es geht auch ums Geschäft.

Und dieses Geschäft geht gut. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz um fast 30 Prozent auf über 1 Milliarde Euro, in den vergangenen vier Jahren wurde er verdoppelt. Damit zählt die Firma, die vor 22 Jahren von Domenico Dolce und Stefano Gabbana gegründet wurde, zu den wenigen italienischen Milliardenkonzernen im Modegeschäft, die noch immer ihren Chefs gehören. Wie Diesel von Renzo Rosso und die Marken von Giorgio Armani.
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