Petra Winter über Claudia Schiffer„Heidi Klum ist das bessere Showgirl“

von AMICA Online Redakteurin
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© s.Oliver
Petra Winter ist Creative Director bei s.Oliver.
Petra Winter darf von Berufswegen shoppen. Jede Woche und für zigtausende Euros. Bei Claudia Schiffers Modedesigner-Casting „Fashion Hero“ ist die Creative Direktorin von s.Oliver eine der Einkäufer. Zusammen mit ihren Kollegen von Karstadt und Asos entscheidet sie also, welche Nachwuchs-Modemacher in die nächste Runde kommen. Und ihre Kreationen gleich am Tag nach der Show in den Läden der Einkäufer anpreisen dürfen. Klingt nach einem tollen Job. Wenn da nur nicht die Quote wäre. Denn die dümpelt seit Wochen vor sich hin. Im Gespräch mit AMICA Online berichtet Petra Winter über die großen Misserfolge und Erfolge der Sendung „Fashion Hero“, über Claudia Schiffers zurückhaltende Art am Set, warum Heidi Klum das bessere Showgirl ist und darüber, wie es ist, wenn man für tolle Mode blitzschnell ein Einkäufer-Gebot abgeben muss.

AMICA Online: Frau Winter, wenn wir Ihnen jede Woche bei „Fashion Hero“ zusehen, kommt uns immer nur ein Gedanke: Sie müssen ja wahnsinnig schnell Kopfrechnen können…
Petra Winter:
Ich hatte damals tatsächlich 14 Punkte in Mathe (lacht). Aber das Ganze ist in Wirklichkeit natürlich nicht so spontan, wie es im Fernsehen aussieht. Wir haben Blöcke vor uns liegen und Taschenrechner und wir überlegen uns schon im Vorfeld ziemlich genau, wie viel wir für welche Teile ausgeben können und wollen.

Welche Faktoren kalkulieren Sie denn ein, wenn Sie den Einkaufspreis ausrechnen?
Die grobe Formel lautet: Möglicher Verkaufspreis mal Stückzahl. Für uns spielen dabei natürlich vor allem die Art der Ware und die verwendeten Materialien eine Rolle. Ich weiß zum Beispiel: Von einem Mantel kann ich weniger verkaufen als von einem Shirt. Daran orientiert sich der Preis.

© ProSieben/Richard Hübner
Die Einkäufer nehmen die Kreationen der Designer genau in Augenschein.
Wie muss eine Kollektion sein, damit Sie sie unbedingt haben wollen?
Für mich sind drei Kriterien ganz wichtig: Erstens muss ich eine modische Innovation erkennen, zweitens will ich Liebe zum Detail sehen und das Produkt muss sich in der Breite verkaufen. Kleider mit Rückenausschnitt zum Beispiel fand ich bei „Fashion Hero“ immer schwierig. Für s.Oliver muss es eher jung und casual sein.

In manchen Shows entsteht ein regelrechter Bieterwettstreit. Wie sehr stachelt es Sie an, wenn Ihnen ein anderer Einkäufer eine Kollektion wegschnappen möchte?
Natürlich will ich mir nicht die Butter vom Brot nehmen lassen, wenn ich mich in ein Teil verliebt habe. Deswegen stacheln wir uns durchaus gegenseitig an. Aber letztlich sind wir alle Kaufleute. Wir klettern nie in absolut unvernünftige Höhen. Der Verstand siegt immer.

Im Bieterwettstreit waren sie oft sehr erfolgreich …
Das liegt daran, dass s.Oliver im Vergleich zu Karstadt und Asos einfach die meisten Verkaufsflächen hat. Und damit größere Mittel. Ich kann höhere Stückzahlen kalkulieren und damit einen höheren Betrag beim Einkauf. Das heißt: Wenn ich etwas will, dann bekomme ich es auch.

Gab es denn eine Kollektion, die Ihnen durch die Lappen gegangen ist? Einen Verlust, der Sie noch jetzt ärgert?
Nicht direkt. Allerdings haben wir in der ersten Sendung eine Kollektion des Designerduos Kunstreich und Holst ersteigert, zu der eigentlich noch ein Mantel gehörte. Den haben wir herausgenommen und nicht bei uns verkauft, weil wir dachten, dass er nicht so gut zu uns passt. Auf Facebook und in anderen sozialen Netzwerken gab es deshalb negative Reaktionen der Fans. Da denkt man im Nachhinein schon mal: Mensch, den Mantel hätten wir noch bringen können. Leider hat die Show am Anfang nicht klar genug kommuniziert, dass wir Einkäufer nicht immer die komplette Kollektion eines Designers bestellen müssen.

© ProSieben/Richard Hübner
Die Designer müssen bei jeder Entscheidung zittern.
Tatsächlich gab es am Anfang ein paar Unklarheiten: Designs wurden für den Verkauf nochmal abgeändert oder tauchten gar nicht in den Läden auf. Ist „Fashion Hero“ einfach zu kompliziert fürs Publikum?
Ich würde eher sagen: Die Sendung ist komplex und sehr vielschichtig. „Fashion Hero“ ist anders als andere Shows. Niemand wird vorgeführt, alle unsere Designer sind gute, ausgebildete Leute. Die müssen ja auch was können, schließlich geht es für uns Einkäufer um großes Business. Der Gewinner bekommt einen 1,5-Millionen-Euro-Deal. Dass das bei der breiten Masse nicht so ankommt, wie Shows, die sich über talentlose Kandidaten lustig machen, war abzusehen.

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„Heidi Klum ist das bessere Showgirl“