Hannah Herzsprung bei Weltpremiere „Ludwig II.“„Um Sissi zu werden, brauchte ich fünf Stunden“

von Amici Autorin Möchtegern-Fashionista und Tiegelvernichterin
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Sabin Tambrea und Hannah Herzsprung starteten ihre Premierenfeier im Münchner Hofgarten. Die goldene Kutsche aus dem Film wurde extra originalgetreu nachgebaut.

Sissi und König Ludwig II. hätten bei der gestrigen Weltpremiere von „Ludwig II.“ vielleicht was auszusetzen gehabt. Von wegen pompös und verschwenderisch. Ganz im Gegenteil: Auf dem roten Teppich im Münchner Kino Mathäser ging es unter den Schauspielern gemütlich zu. Hauptdarsteller Sabin Tambrea, Hannah Herzsprung und Friedrich Mücke lachten und plauderten über Privates. Als Dresscode galt „dunkler Anzug“. „Wenn der König ruft, erscheint man gern gut angezogen“, hieß es in der Einladung. Dem Ruf gefolgt waren auch die Nachkommen von Ludwig II. (1845-1886) aus dem Hause Wittelsbach: Leopold Prinz von Bayern kam mit seiner Familie.

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Im Film, der ab dem 26. Dezember in den deutschen Kinos anläuft, spielt eine Mischung aus bereits etablierten und neuen Schauspielgesichtern mit. Edgar Selge ist als von Ludwig verehrter Komponist Richard Wagner zu sehen. In weiteren Rollen spielen Uwe Ochsenknecht, Friedrich Mücke, Justus von Dohnányi und Tom Schilling. Die weibliche Hauptfigur: Hannah Herzsprung, die die Rolle der österreichischen Kaiserin Sissi spielt. Schnell kommen Assoziationen mit Romy Schneider auf.

Doch auf dem roten Teppich sieht es die junge Schauspielerin (in Burberry Prorsum) gelassen: „Anfangs hatte ich meine Zweifel, ob ich die Rolle wirklich spielen sollte. Natürlich fühle ich mich geehrt in die Fußstapfen von Romy Schneider zu steigen. Allerdings müssen die Geschichten und Figuren einen ergreifen und nicht, wer sie einst gespielt hat.“ Um ihrer Rolle gerecht zu werden, saß Herzsprung täglich bis zu fünf Stunden in der Maske. „Aber das Schlimmste war, mich in die Kleider einzuschnüren. Das muss damals ein ganz fürchterlicher Akt gewesen sein.“

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Ein großes Kompliment macht der „Friendship“-Star Friedrich Mücke, der in seiner Rolle als Horning dem König sehr nahe stand, seinen weiblichen Kolleginnen Herzspung und Paula Beer, welche die Herzogin von Bayern, spielte: „Die Frauen sahen in ihren Kostümen ganz wunderbar aus. Um ehrlich zu sein, war das das Beste von allem – und natürlich meine acht Outfits.“

Jungschauspieler Sabin Tambrea, Hauptdarsteller des König Ludwig, allerdings war froh, wenn er abends wieder aus den Kostümen schlüpfte. „Als Ludwig finde ich die Kostüme großartig und genial. Aber als Sabin stehe ich dann doch eher auf Dezenteres.“ Tambrea ist für Regisseurin Marie Noëlle „ein noch unbeschriebenes, aber sehr talentiertes Blatt.“ Ihn gleich als Hauptdarsteller zu besetzen, zeugt von seiner Leistung. „Wir haben ihn während unserer Castingphase am Theater spielen gesehen und wussten, der ist es.“

„Ich bin natürlich nach der Zusage total sprachlos gewesen und freute mich riesig – wurde aber ebenso schnell blass, als ich die Besetzungsliste sah“, gab dieser schmunzelnd zu und erklärte weiter: „Während des Drehs habe ich wirklich viel von meinen bereits erfahrenen Kollegen gelernt. Zum Beispiel das Handwerkliche am Set wie Licht. Aber auch Kollegialität und Teamarbeit waren eine sehr schöne Erfahrung für mich“, freute sich der 28-jährige, aus Rumänien stammende, Schauspieler.

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Sabin Tambrea als König Ludwig II. und Hannah Herzsprung als Kaiserin Elisabeth von Österreich (Sisi) bei den Dreharbeiten.

Es ist ein Film, der, wie Noëlle selbst sagte: „Den Menschen Ludwig zeigt, der dahinter steckt und den wir beide sehr schätzen. Und wir wollen die Kinozuschauer für seine Ideen begeistern – die finden wir nämlich total toll.“ Zusammen mit Peter Sehr hat sie das Leben des „Kini“ verfilmt. Sie erzählen seine Geschichte vom Tod seines Vaters, der ihn viel zu früh auf den bayerischen Thron katapultierte, bis hin zu seinem eigenen rätselhaften Tod im Wasser. So kehrt Ludwig II. 40 Jahre nach dem Kultfilm von Luchino Visconti auf die Kinoleinwand zurück. Rund 15 Millionen Euro hat der Film nach Angaben der Produktionsfirma Bavaria gekostet. Für die Regisseure geht es um Liebe, Vorurteile und Verrat. Stärken und Schwächen, die auch heute noch von Bedeutung sind.

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Kein Leichtes, sich als Schauspieler in die Rolle einzufinden, liegen doch mehr als 120 Jahre dazwischen. Doch wie Hauptdarsteller Sabin Tambrea erzählte, „findet man an seiner Rolle immer etwas, das mit einem persönlich zusammenhängt. Bei mir und Ludwig war es die Liebe zur Kunst und ein Ziel im Leben zu finden.“ Auch Hannah Herzsprung erklärte, es sei sehr hilfreich gewesen, gerade bei einer solch historischen Figur, „in Archiven zu kramen und Dokumentationen zu sehen.“ Für alle beteiligten Schauspieler war es wichtig, auch durch die Kostüme ihre Rollen besser zu verstehen.

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Genauso historisch wie die Outfits es waren, verstecken sich in manch einem Kleiderschrank der Kinostars eigene geschichtsträchtige Teile. „Ich habe einen mehr als 50 Jahre alten Mantel von meinem Opa, der mir aber leider nicht mehr passt – meine Arme sind einfach zu lang. Außerdem habe ich einen ganz fürchterlichen Regenbogen-Pulli. Der existiert auch immer noch, wird allerdings zum Bad putzen missbraucht“, erzählte Tambrea lachend. Wo Justus von Dohnányi einem alten Woll-Pullover von seinem Vater nachtrauert, ist Friedrich Mücke stolz seinen alten Strampler, seiner kleinen Tochter vererbt zu haben.

Dass sie während der Dreharbeiten ihren Spaß hatten, wird beim Plausch auf dem roten Teppich deutlich. „Zum Teil haben wir über Sachen gelacht, die weiß ich jetzt schon gar nicht mehr und sie wären sicher nicht so lustig, wenn man sie mit anderen erlebt hätte“, schaute Dohnányi wehmütig auf die 72 Tage Dreharbeiten zurück. Ein Film, der nicht nur versucht eine andere Seite von König Ludwig II. zu zeigen, sondern der auch die Schauspieler nachhaltig beeindruckte.

Quelle: Mit Material von dpa
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