Kate MossEine Aura von Festen

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Kürzlich haben die neuen Puritaner mit dem Finger auf Kate Moss gezeigt und sie als schlechtes Beispiel angeprangert. Ein aussichtsloses Unterfangen, wenn Sie mich fragen. Kate gewinnt und bezaubert immer. Oft hatte man das Gefühl, sie könnte zerbrechen, aber selbst in den stürmischsten Momenten vermochte sie immer, sich zu biegen, wie der Wind die Äste biegt. Sie ist nun einmal leichter als der Wind und könnte deshalb doch von ihm schnell mitgerissen werden. Aber sie ist eben stärker, als sie wirkt.

Kate ist von einer Aura von Festen (ich hasse das Wort Party) umgeben. Sie lebt im Scheinwerferlicht, auch wenn die Lampen in den Fotostudios abgeschaltet sind. Ihr öffentliches Schweigen macht sie noch interessanter. An ihrem Image hat sie nie planvoll gearbeitet, sie lebt es einfach zu 100 Prozent und wegen dieser Offenheit lieben die Menschen sie – oder hassen sie, wie das Volk der neuen Pharisäer. Im Rückblick wirken die 60er- und 70er-Jahre heute so unbeschwert und Kate, die diese Epoche nicht gekannt hat (aber wunderbar in sie gepasst hätte), verkörpert für mich die Vorstellung, die heute die Jugend von dieser idealisierten Zeit hat.