Geständnis des ModedesignersWolfgang Joop war früher Kunstfälscher

© REUTERS

Seit Jahrzehnten gehen Mode und Kunst Hand in Hand, Modedesigner beschränken sich oft nicht nur auf eine kreative Ausdrucksform. Yves Saint Laurent druckte Piet Mondrians De-Stijl-Mosaiken auf Minikleider, Christian Dior war früher Kunsthändler und Karl Lagerfeld fotografiert. Dass auch Wolfgang Joop nicht nur Modedesigner ist, ist bekannt. Der kreative Kopf zeichnet und stellt seine Werke regelmäßig in Ausstellungen aus. Seine Talente entdeckte Joop bereits vor fünfzig Jahren – setzte sie damals allerdings nicht auf legale Weise ein. Der Zeitschrift „Weltkunst“ verriet der 67-Jährige nun spannende Details zu seiner Kunstfälscher-Karriere. „Nach meinem abgebrochenen Studium arbeitete ich in den 60er-Jahren als Restaurator. Dort kam ich in Kontakt mit alten Gemälden“, sagte Joop. Für die Braunschweiger Antiquitätenhändlerin Kristina Kranz restaurierte der Wunderkind-Designer alte Kunstwerke.

Von Leo-Liebe bis Korallen-Knaller
Wunderkind, Wolfgang Joop, Herbst/Winter 12/13, Präsentation Potsdam, Herbst-Winter-Kollektion 2012

Inspiration für ihn, selbst den Pinsel in die Hand zu nehmen und sich am Stil der alten Meister zu versuchen. Bevorzugt malte Joop wie die Flamen und Blumen-Stilleben à la Jan van Huysum, Jakob van Oost oder Abraham Mignon. „In der Küche meiner Mutter stank es seitdem nach Harzen und Terpentin“, erzählte der Künstler. Seine Technik perfektionierte er geradezu. „Ich hatte mich auf den Dachböden meiner adeligen Kunden nach alten Leinwänden umgesehen, die ich verwenden konnte“, erläuterte Joop den Prozess. „Und Staub gesammelt, mit dem ich die Bilder versetzte.“ Aus organischen Materialien mischte er nach alten Rezepturen die Farben zusammen. „Und ich hatte die Bilder im Backofen künstlich altern lassen.“

Offensichtlich machte Joop seine Arbeit damals schon ziemlich gut. Für 4000 bis 6000 Mark verkaufte er seine gefälschten Bilder an Auktionshäuser. Seine Geschichte dazu: Die anonymen Meister aus dem 17. Jahrhundert hätte er über die DDR-Grenze geschmuggelt. Woran Sie einen echten Joop erkennen? „An den Tulpen“, so der Künstler. „Die gestreiften konnte ich besonders gut.“

„Mein Motor war vor allem die Bewunderung für die alten Meister“, verriet Joop im Interview. Zeitgenössisches dagegen sei gar nicht sein Fall: „Es ist mir zu wenig subversiv, zu akademisch glatt – und ich kann keine Installationen mit Leuchtstäben und Fernsehern mehr sehen. Ein im alten Stil gemaltes Bild hat eine ganz andere emotionale Nähe.“ So hängt eines seiner Frühwerke noch heute in seiner Potsdamer Villa. Über die anderen ist nichts bekannt.

Rechtliche Schritte drohen Joop für seine etwa 15 falschen Meister nicht. Einerseits wäre die Tat bereits veraltet, andererseits erklärte der Künstler gegenüber „Bild“, hätte er „nie Kopien eines echten Werkes“ gemalt.