Designer-Porträt VersaceGianni der Große

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Vor zehn Jahren waren Versace-Läden die schönsten Fan-Shops der Welt. Selbst wenn man kein Geld hatte, durfte man stundenlang prächtige Abendkleider und unglaublich glamouröse High Heels anprobieren, ohne dass dadurch die Laune der Verkäuferinnen, meist platinblonde und sehr liebenswürdige Donatella-Klone, getrübt worden wäre. Man musste diese Kunstwerke gar nicht unbedingt besitzen: Es reichte, sich darüber zu freuen, dass es sie gab.

1997 fand der Kult ein jähes Ende, als Gianni Versace an einem sonnigen Morgen in Miami von zwei Pistolenkugeln getroffen wurde. Es scheint eine traurige Gemeinsamkeit von Pop-Äras zu sein, dass immer Schüsse den Schlusspunkt setzen.

Mit Kennedy starb der amerikanische Traum, mit John Lennon die Hippie-Bewegung und mit Gianni Versace waren die exzessiven 80er-Jahre endgültig vorbei. Kein Designer verkörperte diese Epoche besser als der Sohn einer kalabrischen Schneiderin, der Ende der 70er-Jahre nach Mailand kam, um die Modewelt zu revolutionieren.

Gianni Versace war in jeder Hinsicht exzessiv. In Gefühlen, Gesten und in seiner Arbeit. Seine Lieblingsnichte Allegra überschüttete er mit Geschenken, für die Einrichtung seiner Lieblingsvilla Fontanelle am Comer See konnte er, so sein Lebensgefährte Antonio D’Amico, „in vier Stunden eine Million Dollar für Antiquitäten ausgeben“, seine Mode war wie das passende Feuerwerk zur Dauerparty dieser Zeit: bunt, extrem und als Gegenentwurf zu Armanis puristischer Karrierefrau aggressiv weiblich.

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Gianni der Große