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Giorgio Armani gilt aber nicht als Meister der Überraschung. Was sagen Sie dazu?

Es gibt heute unzählige Modehäuser – und alle machen eine Modenschau. Früher hatte man über eine Stunde Zeit, um die gesamte Kollektion zu zeigen – heute muss man in zehn Minuten alles auf den Punkt bringen. Deshalb zeigen viele heute die aufregendsten Entwürfe, aber nicht unbedingt das, was Frauen dann auch wirklich tragen wollen. Gekauft wird dann das, was nie über den Laufsteg gegangen ist. Ich mag dieses System nicht. Ich wollte immer ehrlich sein: Bis heute zeige ich auf dem Laufsteg nur das, was auch verkauft wird. Ich habe noch nie etwas nur für den Effekt entworfen.

Wie kontrolliert man eigentlich ein Unternehmen, das so groß geworden ist, ohne sich an einen großen Konzern verkauft zu haben? Sehen Sie jedes Teil, auf dem Ihr Name steht, bevor es in die Läden geht?

Ja! Jedes Teil von der Jeans bis zur Vase. Ich bin der Filter. Warum das geht? Ich glaube nicht, dass es ein besser organisiertes Unternehmen gibt als meins. Es funktioniert wie ein Schweizer Uhrwerk. Je besser die Organisation, desto weniger Arbeit. So einfach ist das.

Sie haben mehrere sehr viel jüngere Freunde. Es gibt Leute, die sagen, solche Freundschaften bringen nichts. Was halten Sie davon?

Wer so denkt, ist alt. Alt ist man erst, wenn man keine Herausforderungen mehr sucht. Ich bin gern mit jungen Menschen zusammen. Das kann zu sehr konfliktreichen, manchmal auch brutalen Auseinandersetzungen führen. Aber wir Alten können den Jüngeren doch so viel Erfahrung mit auf den Weg geben. Oft sträuben sie sich dagegen – aber dann denken sie doch ein wenig darüber nach. Ich hatte ja leider nie einen Mentor. Meinen Weg ganz allein zu gehen war sicherlich anstrengender.