Giorgio ArmaniPflicht der Provokation

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Man tuschelt über Millionenbeträge, die Ihre RED-Party in London gekostet hat, und sagt: Das Geld hätte er auch direkt spenden können.

Wenn ich ein so großes Fest privat gäbe, würde niemand darüber reden! Ein Projekt wie RED kann man doch nicht im Stillen machen. Wir leben im Medienzeitalter – und wir wollen die Öffentlichkeit erreichen. Wenn wir die Dinge also von diesem Standpunkt aus betrachten, könnte man auch sagen: Das Kleid, das Armani bei der letzten Show gezeigt hat, kostet 20000 Euro. Die könnte man ja auch spenden. Aber: Das Kleid erregt Aufmerksamkeit, die Medien berichten über Armani. Und Armani kann deshalb etwas für Afrika tun. So läuft das Spiel.

So viel Realitätsnähe und Bodenständigkeit traut man der Modebranche in der Regel gar nicht zu.

Ich lebe nicht isoliert vom Rest der Welt und tue auch nicht so, als sei ich eine Ikone. Ich habe schon immer selbst in meinen Geschäften die Schaufenster kontrolliert, ich gehe mit Freunden ins Kino – ich lebe in dieser Welt. Zugegeben, ein sehr privilegiertes Leben, aber ich gehe auf Menschen zu. Sie sagen, die Mode sei realitätsfern? Sie haben Recht. Und in gewisser Weise nehme ich mich da selbst gar nicht aus. Provokation und Exzentrik gehören quasi zu unseren Pflichten. Wir müssen schließlich alle sechs Monate überraschend, aufregend, ein bisschen shocking sein. Das wird von uns geradezu erwartet.