„Global, cool und trendy“ Wird Indien zum Modezentrum?

 

Mit einem Mix aus Traditionellem und Internationalem könnte Indien bald die Modewelt erobern. Davon sind Bollywood-Model Lisa Haydon und Lifestyle-Experte Sonny Caberwal überzeugt.
Text: Manuela Gotthartsleitner-Wagner
© Martin Vogt
Lifestyle-Experte Sonny Caberwal sprach beim DLD in München über Indien als Modemarkt der Zukunft
Reich bestickte Kaftane, Clutches aus Sari-Stoffen, Gliederketten mit Achatanhängern. Internationale Modetrends made in India? Für Sonny Caberwal, Gründer des weltweit führenden Händlers indischer Mode, „Exclusively.in“, durchaus vorstellbar. In Indien sei die Begeisterung für internationale Marken größer denn je. „Die wachsende Mittelschicht besteht aus jungen Menschen, die allesamt in einem internationalen Umfeld aufgewachsen sind“, schildert Sonny Caberwal beim DLD in München die Situation.

Die wachsenden Einnahmen der Mittelschicht führten dazu, dass die Menschen nach repräsentativen Marken suchten, die ihrem Lebensstil entsprächen, so der Geschäftsmann. In diesem Marktsegment ergeben sich für Unternehmer wie ihn große Chancen. „Wir wollen eine qualitativ hochwerte Marke etablieren, die die Menschen anspricht“, betont Caberwal.
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Lisa Haydon beim DLD in München

Tradition trifft auf internationalen Flair

Traditionelles, gemischt mit internationalem Flair sei in Indien angesagt wie nie. Bollywood-Model Lisa Haydon kennt die Vorlieben der Gesellschaft: „Es ist die Mischung aus etwas Authentischem, zusammen mit etwas, das man sich geliehen hat – das ergibt eine globale Identität.“

Models werden ihrer Aussage nach in Indien vor allem als global agierende Menschen wahrgenommen. Acht der zehn indischen Topmodels stammten heute halb aus Indien, halb aus anderen Teilen der Welt. Haydon ist eines davon. Sie selbst ist in Mumbai geboren, ihr Vater ist Inder, ihre Mutter stammt aus Australien. Dort begann mit 19 Jahren ihre Karriere als Model. Mit 21 Jahren zog sie zurück nach Indien. Bekannt wurde die heute 25-Jährige unter anderem durch Events wie der India Fashion Week und der HDIL-India Couture Week.
© Facebook
Lisa Haydon posiert für die Kamera.
Großen Erfolg feierte das Topmodel zudem in dem Bollywood-Streifen „Aisha“. In diesem Film wurden Outfits zum ersten Mal dazu verwendet, den Persönlichkeiten der Darsteller einen individuellen Ausdruck zu verleihen. Haydon meint: „Das hatte die Botschaft, global cool und trendy zu sein.“ Den Einfluss, den Mode und Filme auf die Gesellschaft haben, fasziniere sie, weil die „Menschen beginnen, über sich und ihr Leben nachzudenken“.

Indischer Style für die Modewelt

Das zeigt auch eine Werbekampagne von Sonny Caberwal. Dessen Leben in New York änderte sich nach dem 11. September 2011 schwerwiegend, wie er sagt. Die Skepsis gegenüber Turbanträgern nahm zu. Mit Fashion-Kampagnen für Marken wie Kenneth Cole oder Magazine wie GQ, bei denen er als erstes Model der Welt seinen Turban trug, wollte er die Sicht der Gesellschaft auf Turbanträger ändern. „Auch die Inder selbst begannen, sich durch die internationale Präsenz in der Werbung anders wahrzunehmen“, schildert er fasziniert.

Nun sei es an der Zeit, die Wahrnehmung Indiens als Marktplatz für Mode zu verändern. „Wir wollen Marken kreieren, die die indischen Konsumenten ansprechen und ihren Wünschen entsprechen, in einer globalen Welt mitzuspielen“, kündigt Caberwal an. Der indische Style gemischt mit globalem Touch als neuer Trend auf internationaler Ebene? Warum nicht.
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