Guido Maria Kretschmer über Lagerfeld „Karl und ich sind wahrscheinlich verwandt“

© dpa/Tobias Hase
Karl Lagerfeld in München.
Karl Lagerfeld als Scherenschnitt auf der Einladung, Karl Lagerfeld als Tokidoki-Puppe mit Katze, Karl Lagerfeld als Superheld-Druck auf dem Shirt – Karl Lagerfeld, wohin der Blick fällt. Der deutsche Designer ist längst selbst zur Marke geworden. Schwarz, weiß, schlicht, elegant sind demnach auch seine Shops.

Im Jahr 1984 gründete der gebürtige Hamburger, der außerdem Chefdesigner für Chanel und Fendi ist, das Label unter seinem eigenen Namen. Es folgten verschiedene Besitzer und Umfirmierungen. Seit 2011 ist Pier Paolo Righi Chef des Modeunternehmens Karl Lagerfeld. Drei Linien versammeln sich heute unter der Marke:

- Karl: Da sich die neue Linie an die Kunden richtet, die digital unterwegs sind, wurde sie exklusiv online gelauncht.
- Karl Lagerfeld Paris: edle Prêt-à-porter-Kollektion für Damen und Herren
- Lagerfeld: Männermode

Dazu kommen jeweils eigene Accessoire-Kollektionen mit Brillen, Taschen, Schuhe und auch Parfum. Ab diesem Jahr bekommen die Edelkreationen denn auch ihre eigenen Concept Stores. Seinen ersten eigenen Laden eröffnete Karl Lagerfeld Ende März in Paris, fünf weitere folgten (wie im Juli Berlin) und nun öffnen sich die Tore in München.

Mitten im Getümmel auf dem schwarzen Teppich, der vor der Maffeistraße 6 ausgelegt ist, treffen wir auf Guido Maria Kretschmer. Der „Shopping Queen“-Star kommt gerade aus dem Kino, in dem er die Dokumentation „Karl Lagerfeld – Mode als Religion“ gesehen hat.

AMICA Online: Was hat Sie am Film am meisten überrascht?
Guido Maria Kretschmer liebt die Frauen, auch mit Kurven. Seine Frühjahr-Sommer-Kollektion 2014 huldigt der Weiblichkeit in zarten Pastelltönen, maritimem Flair und sanft fließender Seide.Guido Maria Kretschmer:
Es war toll die Arbeit zu sehen, die Karl macht und zu entdecken, dass es gar nicht so viel anders ist, als das, was wir machen – natürlich viel kleiner. Ich dachte mir, Guido, da hast du noch viel vor.

Welche Unterschiede gibt es zu Ihrem Leben?
Dass ich immer pünktlich kommen muss und keine 3000 Leute zu meiner Show kommen. Es hat mir gefallen zu sehen, dass Designer eine Lebensaufgabe ist. Es war mein Leben lang so, dass ich spürte, ich arbeite solange ich atme. Designer ist wirklich nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung. Das ist bei ihm auch so.

Inwiefern ist Karl Lagerfeld also Idol?
Er ist ein absolutes Vorbild für mich. Außerdem haben wir beide eben festgestellt, dass wir vielleicht sogar verwandt sind. Seine Mutter kommt aus einem Kaff in Nordrhein-Westphalen, ganz in der Nähe von dem Ort, in dem ich geboren wurde. Unsere Mütter haben also nur zehn Kilometer entfernt voneinander gelebt.

Sie sind in Deutschland inzwischen auch eine Berühmtheit. Wo sehen Sie Parallelen?
Durch die vielen Fernsehauftritte sehe ich natürlich schon, dass ich vielleicht berühmter bin als andere deutsche Designer. Das bringt mir auch viele Sympathien entgegen. Zum Beispiel hat einmal jemand geschrieben: Guido Maria Kretschmer ist so schnell und so gescheit wie Karl Lagerfeld und amüsant, aber er ist jemand aus dem Jetzt. Wir sind natürlich eine andere Generation. Er hat diesen Mutterwitz, den ich auch habe. Ich sehe, dass ich berühmt bin, nehme das aber ganz bescheiden.

Da kommt von hinten Verena Kerth und ruft:
„Ach, ich denke mir noch, was für ein schöner Rücken und dann bist du das. Ich liebe den Guido!“ Der direkt zurückzirpt: „Du Süße, geht‘s dir gut?“ – „Ja, und dir? Sehen wir uns gleich noch? Du bist ja, fast vor Karl noch, mein Gott. Ihm habe ich’s schon gesagt, dir sage ich es jetzt.“

Und dann huscht, sofern das in der Menge möglich ist, derjenige vorbei, auf den alle sehnsüchtig gewartet haben: Karl Lagerfeld. Feiner weißer Zopf, Stehkragen, schwarze Handschuhe und Sonnenbrille markieren seine Erscheinung. Wie soll es anders sein. Sein Blick trifft den Guido Maria Kretschmers. „Wir sprechen gerade von unseren Müttern“, strahlt Kretschmer. „Oh ja, unsere Mütter, großartig“, drückt Lagerfeld seinem Designer-Kollegen die Hand. „Wahrscheinlich sind wir doch verwandt“, grinst Kretschmer weiter. Seelenverwandt auf jeden Fall. Schließlich verrät der Modeschöpfer noch etwas. Mit Karl Lagerfeld habe er heute über ein neues Projekt gesprochen, das sie zusammen planen. „Es hat etwas mit New York zu tun“, sagt Kretschmer. „Alles andere ist noch streng geheim.“

Aus dem Schwärmen nicht mehr heraus kommt neben Guido Maria Kretschmer und Verena Kerth („Ich habe diese wunderbaren Karl-Figuren bei mir im Wohnzimmer stehen“) auch Verona Pooth: „Karl Lagerfeld ist eine Modeikone und durch meine Hochzeit verbindet uns natürlich alles. Er hat damals mein Kleid in fünf Sessions in Paris entworfen und das ist unvergesslich. Ich kam mir vor wie eine wahre Prinzessin und die Schachtel von meinem Kleid war so groß wie meine erste eigene Wohnung – das war unglaublich. Man hört mich selten sagen, dass ich von irgendwas Fan bin, aber ich würde sagen dass ich auf jeden Fall ein Fan von ihm bin.“

Alle prominenten und anderen Fans können jetzt auch in München Karl Lagerfeld shoppen. Im Gegensatz zu Chanel und Fendi wollen Lagerfeld und Righi mit diesen Shops erschwinglichen Luxus verkaufen. Will heißen: die Lederhandschuhe kosten ab 50 Euro, ein T-Shirt kostet um die 80 Euro, der Stehkragen ab 150 Euro, Jeans ab 190 Euro und Taschen von 300 bis 800 Euro.

Mehr vom Mode-Papst Karl Lagerfeld zeigt die vierstündige Dokumentation „Karl Lagerfeld – Mode als Religion“ am 7. September um 20.15 Uhr auf Vox. „Papst ist nicht gerade mein Lieblingswort, weil ich nicht gerade wild auf den Papst bin. Im mittelalterlichen Sinne des Wortes ist es ja ganz pompös, aber ein bisschen übertrieben“, sagt der erfolgreiche Designer beispielsweise. Welche Parallelen sich dennoch zwischen der Welt der Mode und der Religionen finden, dem war Autorin Martina Neuen auf der Spur.

Hier gibt's schon jetzt die besten Sprüche Karl Lagerfelds:

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Wie weit Verena Kerths Liebe zum „Modegott“ geht und warum ihr Hund Coco Salami heißt, lesen Sie im Interview auf der nächsten Seite.



Kerstin Kotlar/ Michèle Zahlen/ Veronika Schaller
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