Heike MakatschDas Leben und ich

Wie gehen Sie selbst mit diesen Themen um?
Momentan fühle ich mich frei von diesem Druck. Aber es gab zweifellos Zeiten, in denen ich dachte: Okay, ich merke, ich wachse aus einer Phase meines Lebens heraus – aber wo wachse ich eigentlich hinein? Ich kann nicht mehr zurück, aber wohin geht’s denn nun? Vielleicht ist es auch die Sehnsucht, etwas zu konservieren und die Enttäuschung darüber, dass das nicht geht.

Es ist ja auch desillusionierend, wenn man sich ein Leben lang auf etwas verlässt, das plötzlich nicht mehr funktioniert. Tun sich 30-Jährige besonders schwer mit dem Älterwerden?
Für unsere Eltern war es doch so: Bis 20 machte man Abitur, dann studierte man, heiratete, bekam Kinder. Die Partnersuche - auf elitepartner.de war abgeschlossen. Heutzutage fangen wir immer wieder von vorn an. Nur eins ist vorgegeben: Jugend ist die am höchsten angesehene Währung, gepaart mit Attraktivität, die Unabhängigkeit signalisieren soll und Offenheit für Neues. Diese Attribute versucht man möglichst lang lebendig zu halten.

Bis man selbst Kinder bekommt – und plötzlich alles andere an Bedeutung verliert?
Ja. Das Leben verändert sich, aber gar nicht so sehr, wie man vorher denkt. Man wächst in alles hinein. Ich kann plötzlich sehr gut auskommen mit den sechs, sieben Stunden Schlaf, die ich jetzt noch bekomme, während ich früher gern zehn Stunden geschlafen habe. Aber das, was weggefallen ist, seit ich meine Tochter habe, habe ich sowieso nicht mehr gewollt. Und das, was hinzugekommen ist, ist großartig.

Haben Sie nie das Gefühl: Wo bleibe ich bei alledem?
Nee. Durch diese merkwürdig exponierte Position, die man durch einen öffentlichen Beruf innehat, gewöhnt man sich relativ früh daran, nicht wirklich „dabei“ zu sein. Ich hab erst spät gelernt, dass ich gern für mich bin. Und ich fand mich selten so reflektiert wie in diesem Kind! Was ich gebe, kommt mit einem Strahlen zurück, mit einer Zärtlichkeit, einer neuen Fähigkeit, mit Neugierde. Durch Mieke weiß ich ganz genau, wo ich am liebsten sein möchte und dass ich da hingehöre, wo ich bin. Das macht mich ausgeglichen. Die Probleme haben sich verschoben. Es gab Zeiten, da wollte ich jeden damit volltexten, was gerade furchtbar war – in der Beziehung, im Leben. Jedes Gespräch drehte sich um das Gleiche, um das Sich-nicht-lösen-können, um Traurigkeit. Das ist mir momentan ganz fern.

Heute führen Sie lieber Windelgespräche.
Die sind das Beste! Man muss sich ja immer zügeln, wenn man schon wieder seine Fotos herausnehmen will. Das habe ich doch früher immer so gehasst an anderen. Aber plötzlich ist man selbst ganz genauso.

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