Helden des SommersGroßartige Männer

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Colin Farrell & Jamie Foxx

Wäis Kiani über die zwei coolsten Cops des Westens

Als vor 20 Jahren die Serie „Miami Vice“ im Fernsehen lief, waren die meisten vom „Fieber“ gepackt. Vornehmlich natürlich die Männer, damals noch Boys. Sie spielten das, was sie da sahen, im Geiste ständig nach: Speedboote, Ferraris, Kokain, weiße Anzüge und nackte Füße in Loafern. Die Realität sah anders aus: Keine Boote, ein PS-schwacher Ford Escort und vom super-slicken Look des sexy Don Johnson blieben meist nur die hochgekrempelten Jackettärmel als vages modisches Echo.

Jetzt, 20 Jahre später, kommt die Breitwandversion mit Colin Farrell und Jamie Foxx ins Kino – umgehend ist von allen Seiten ein Stil- Aufschrei zu hören: Der Look von damals kehrt zurück! Die Männer werden erneut weiße Anzüge und rosa T-Shirts tragen! Strumpffabrikanten sehen der Pleite ins Gesicht – niemand wird je wieder Socken tragen!

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Nun, ganz ruhig. Genau wie damals, als kaum jemand im wahren Leben weiße Anzüge und Pinkfarbenes am Leib trug (von Bryan Ferry mal abgesehen), wird es auch diesmal kaum jemand tun. Und wenn es etwas gibt, wovon sich deutsche Männer eher ungern trennen, dann sind es ihre Socken. Kommt hinzu, dass der Look der beiden Superhelden in der Kinofassung von Ästhetikregisseur Michael Mann auch nicht so empörend neu ist, wie es damals die TV-Serie war. Auch wenn Ozwald Boateng sich um die Kostüme gekümmert hat, Colin und Jamie schlurfen die meiste Zeit mit T-Shirts unter zerknitterten Anzügen durch den Film. Dieses Bild bietet sich auf unseren Straßen sowieso schon mehr als genug.

Dafür können sich unsere stilresistenten Männer auf andere Träume freuen: Telefonieren mit dem goldenen Motorola Razr, Zeitsparen mit einem Richard-Mille-Tourbillon-Chronografen, Rumrasen im Ferrari F430 Spider. Denn während wir Frauen bei so einer nachahmungswürdigen Stilvorlage sofort losrennen würden, um uns von der Unterwäsche bis zum Mantel alles getreu unserer Heldin zu kaufen, lassen die Männer die Grundlage aller Gefühle, nämlich die Textilien, links liegen und interessieren sich nur für die Accessoires. Und weil den meisten leider das Kleingeld für ein Speedboot oder den F430 fehlt, quatschen sie uns eben die Ohren voll und krempeln ihre Jackettärmel hoch. Danke, „Miami Vice“.