ExpertenmeinungWarum Idole sein müssen

Die Frauen, die wir bewundern, sind nicht viel anders als wir – nur besser. Aber genau deswegen können wir von ihnen lernen

Ein weibliches Idol zu werden ist ganz einfach. Man muss erstens viel geleistet haben, zweitens toll aussehen, drittens ein stabiles Privatleben hinbekommen und viertens selbst versöhnte Entspanntheit ausstrahlen.

Kurzum: Es hilft, wenn man die Talente einer Weltmeisterin, die Schönheit eines Models und die Nervenstärke einer Kindergärtnerin hat. Weniger gefragt sind dagegen Glamour, Jugend, Verrücktheit. Das alles gucken wir uns zwar gern amüsiert an, aber von einem Vorbild verlangen wir nun mal Lebenserfahrung und die Fähigkeit, eine handfeste Existenz zu führen.

Auffällig an der AMICA-Umfrage: Frauen verehren dieselben Heldinnen wie Männer und Jung und Alt haben dieselben Vorlieben: Steffi Graf liegt selbst bei den 14–29-Jährigen auf dem dritten Platz (Siegerin dieser Kategorie: Nena) und auch die Männer bewundern Steffi häufiger als etwa Verona Pooth oder Claudia Schiffer.

Warum das so ist, weiß der Kommunikationswissenschaftler Dieter Herbst: „Wir brauchen Idole, weil wir uns an ihnen orientieren können. Wir beobachten bestimmte Verhaltensweisen und eignen sie uns an. Das ist wichtig für unsere Persönlichkeit. Idole helfen uns, die eigene Unsicherheit zu verringern.“ Deswegen, so der Autor des Buches „Der Mensch als Marke“, suchen sich Frauen als Heldinnen Frauen aus, die möglichst so sind wie sie selbst – nur eben besser: „Das ist Steffi Grafs Vorteil – sie ist eine von uns, die es geschafft hat.“

Neben den Frauen, auf die alle sich einigen können, hat jeder auch noch seine eigenen, ganz privaten Idole. Für Modemacherin Gabriele Strehle ist es seit ihrer Kindheit die Primadonna Maria Callas: „Ich bewundere ihren absoluten Mut zum Ausdruck. Darin ist sie bis heute unerreicht.“ Silvana Koch-Mehrin, die junge FDP-Wilde, nimmt sich ein Beispiel an einer Romanheldin: „Die rote Zora, weil sie sich für die Rechte von Kindern einsetzt und sich nicht den Mund verbieten lässt.“

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