Interview mit Andrej Pejic„Ich trage lieber Frauenkleider“

von AMICA Online Redakteurin
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Die schönsten Bilder von Andrej Pejic

Schon bei der Suche nach Andrej Pejic herrscht Verwirrung. „Der ist drüben bei den Männern“, erklärt die Pressebeauftragte des Hairstyling-Partners Wella und eilt so schnell voraus, wie sie nach ein paar Schritten innehält. „Ne, das ist ja der mit den langen blonden Haaren, oder?“, fragt sie. Nicken. „Dann sitzt er doch in der Maske der Frauen“.

Eine kleine Szene die beschreibt, wie sehr das australische Männermodel mit serbischen und kroatischen Wurzeln in den letzten zwei Jahren die Fashion-Branche durcheinanderwirbelte. „Wer ist dieses blonde Mädchen?“, fragte sich die Modewelt erstmals im Juni 2010, als der Androgyne bei den Männermodenschauen über den Laufsteg schritt. Kurze Zeit später modelte Andrej Pejic auch als Frau in Couture-Roben von Jean Paul Gaultier. Für eine Kampagne des Designers stand der 20-Jährige ebenfalls vor der Kamera – als „Zwillingsschwester“ von Topmodel Karolína Kurková – und Marc Jacobs engagierte ihn als Werbegesicht für die Frühjahr-Sommer-Kollektion 2001 von Marc by Marc Jacobs.

Ein Karriereverlauf, über den man sich freuen könnte. Aber gerade ist Andrej Pejic genervt. Auf dem Laufsteg, bei der Generalprobe eben, hat die Abstimmung auf die Musik nicht genau so funktioniert, wie Michael Michalsky es wollte. Der Designer rief seine Models nochmals auf die Bühne. „Essen könnt ihr später“, kommandierten die verkabelten Assistentinnen auf den Gängen. Also Sandwiches weg, Smartphones weg und sofort wieder zurück in die Halle des Tempodrom. Schließlich sollen die Mädchen und Jungs perfekt laufen, am Abend der großen StyleNite, vielfach als Höhepunkt der Berliner Fashion Week bezeichnet.

Lust auf Glanz und Transparenz
Fashion Week Berlin, Michael Michalsky, Herbst-Winter-Kollektion 12/13

Und weil Andrej Pejic, das Star-Model der Show, gerade genervt ist, antwortet er zunächst einmal mit trotziger Ironie. Was er in seiner Freizeit am liebsten anziehe? „Roben von Dior Haute Couture natürlich“, sagt er mit süffisantem Blick, während ein Stylist ihm noch mehr blonde Extensions ins Haar einarbeitet. „Nicht so leicht“, gibt der zu. Denn Pejic hat sowieso schon künstliche Strähnen. „Meine natürlichen Haare sind auch lang, aber ich möchte mehr Volumen“, sagt er, gerade als man denkt, ein Mann wäre die größte Zicke im Raum.

Ein Gedanke, der sich in zweifacher Hinsicht als falsch entpuppt. Denn erstens ist er eher schüchtern und zweitens eher ein Mensch zwischen zwei Geschlechtern. Die Leute sollten nicht darüber grübeln was er sei, sondern ihn einfach akzeptieren, sagte er einmal im Interview. Seine Haut ist so zart und hell, dass unter seinem linken Auge eine Ader blau hervorschimmert. Die Gesichtszüge kantig und dennoch feminin, die Arme so schmal wie die einer Frau.

Tatsächlich bevorzugt er den Auftritt als Frau, wie er im Interview mit AMICA Online verrät. „Ich trage lieber Frauenkleider auf dem Laufsteg“, sagt Andrej Pejic. Die Damen-Schauen seien richtige Shows. „Alles ist größer, auch die Bewegungen“, schwärmt er, „das macht mehr Spaß“. Mit Michael Michalsky, der ihn mittlerweile schon zum zweiten Mal nach Berlin auf den Laufsteg holte, verbinde ihn nicht nur Berufliches, sondern auch Freundschaft.

Außerdem outet er sich als Fan der Stadt: „Ich liebe Berlin, werde dieses Mal aber nicht viel sehen, weil ich morgen schon wieder abreise. Dafür war ich schon privat hier mit Freunden aus England.“ Was ihm am besten gefiel? Der Szene-Club Berghain.