Interview mit Eveline Hall„Ich stehe auf fantasievollen Sex“

© Michael Michalsky
Wenn wir schon bei Körper und Figur sind. Warum haben Sie einmal nach dem Sommer nur gefrorenen Joghurt gegessen, um abzunehmen?
So idiotisch. Ich kann es kaum glauben, dass mir das damals in den Sinn gekommen ist. Ich hätte auch anders abnehmen können. Mit Bravour dachte ich möglichst schnell Gewicht zu verlieren. Stattdessen hat es mir ein Magengeschwür eingebracht, die große Solopartie musste ich abgeben, weil ich so schwach war, dass ich nicht tanzen konnte. Deswegen hat es mir im Nachhinein etwas gebracht, weil ich gelernt habe, dass man mit Bravour nicht weiterkommt. Alles braucht seine Zeit. Das hat an mir genagt.

Wie sind Sie damit umgegangen?
Ich habe es schlecht verarbeitet, war unglücklich. Ich wusste, dass es so nicht weitergeht. Immer wieder zunehmen und abnehmen war nicht gut für meinen Körper, keine empfehlenswerten Eskapaden. Heute habe ich eine gesunde Einstellung zum Essen.

Und haben es als Model in die Show von Michael Michalsky geschafft. Was sagen Sie zu Horrorgeschichten wie Models, die Wattebällchen essen?
Ich habe niemanden gesehen, der gehungert hat. Ganz im Gegenteil. Als Models wurden wir immer verwöhnt mit Essen an allen Ecken und Enden. Ich habe kein Mannequin gesehen, das nicht gegessen hat. Das sind ein paar Mädchen, die diese Geschichten verbreitet und populär gemacht haben. Viele andere sind einfach schlank. Ich bin auch von Haus aus überschlank gebaut. Dass alle hungern, möchte immer nur jeder hören. Mir passiert das nicht mehr, weil ich viel zu gern esse. Morgens ein ausgiebiges Frühstück mit zwei Spiegeleiern, am besten zwei Mal am Tag etwas Warmes. Das habe ich mir beibehalten aus meiner Zeit in Frankreich.

Für ein Fotoshooting haben Sie einen Latexanzug getragen – in Größe 34. Da wäre so manche Frau neidisch.
Ja, vielleicht. Meine Größe ist zwischen 34 und 36. Das ist schön. Also nicht der Latexanzug, aber dass ich alles tragen kann. Das ist für Mode natürlich Voraussetzung.

© Jaan-Eric-Fischer 2011
Nichts ist zu sexy für Sie?
Wenn es um die Modearbeit geht nicht. Deswegen muss die Figur so perfekt sein, dass ich alles anziehen kann. Der Couturier muss ja die Freiheit beim Entwerfen haben.

Und für sich persönlich?
Da weiß ich genau, was zu mir passt. Mit meinem Designer Michael Walter habe ich hier meinen Stil gefunden. Ich bin eine Schwarzträgerin. Für Auftritte entscheide ich mich meistens für diese Farbe. Ich mag die Schlichtheit à la Barbara oder Juliette Gréco. Außerdem lenkt es nicht ab.

Gibt es Sachen, die Frauen in einem gewissen Alter nicht mehr tragen sollten?
Ganz bestimmt. In ganz seltenen Fällen hat eine Frau so eine Persönlichkeit und so eine Figur, dass sie alles tragen kann. Grundsätzlich muss es einfach stimmen. Du darfst dich nach nichts fragen, nicht nach dem Alter, nicht nach etwas anderem, sondern es einfach toll finden, was du anhast. Nicht anfangen zu puzzeln.

Stimmt es denn, dass Ihre Mutter Sie direkt auf erste Speckröllchen aufmerksam macht?
Sie würde, wenn ich welche hätte. Aber sofort! Dann sagt sie, es wäre gut, wenn wir daran arbeiten. Oder du ziehst dir etwas an, wo man es nicht sieht. Gnadenlos! Sie ist genauso eitel wie ich. Mir ist lieber jemand ist eitler statt uneitel, der gar nicht auf sich achtet.

Gilt das auch für Männer?
Für die ganz besonders. Aber die meisten halten viel zu viel von sich. Wer ist schon der Größte? Sie meinen sie können sich alles leisten. Eine Glatze, einen dicken Bauch, können noch mit 60 Vater werden. Das finde ich so pervers, wie wir Frauen da benutzt werden. Wenn sie oft mit einem Mädchen daherkommen, das 35 Jahre jünger ist. Das finde ich so affig. So übereitle Männer. Wir müssen eitel sein, wir haben nicht so viel Zeit. Eine Frau hat zwischen 20 und 45 die besten Jahre ihres Lebens. Dann wird sie sehr reif. Die Männer nutzen es aus, dass sie keine Grenze haben. Sie fangen an sich mit jungen Mädchen zu schmücken. Selbst bieten sie gar nichts, außer Geld. Oder Berühmtheit.

Macht und Geld machen eben attraktiv…
Da muss ich immer an den Schauspieler Marty Feldman denken. Kennen Sie den? Der hatte von der Krankheit Basedow so heraustretende Augen, die zum Fürchten aussahen. Aber er hatte eine bildhübsche Ehefrau, weil er berühmt war. Wenn er Koch in einem kleinen Restaurant gewesen wäre, hätte ihn keine angeguckt.

Was macht einen Mann für Sie attraktiv?
Sein Kopf, sein Geist, sein Humor. Und seine Erotik. Das ist doch nicht viel. Geld ist es nicht, haben Sie gemerkt?

Und Sex muss sein wie ein Theaterstück?
Fantasievoll. Theater ist Fantasie und ohne die kann ich mir Sex nicht vorstellen. Den ordinären Sex finde ich sehr langweilig.

Also sind Sie auch experimentierfreudig?
(Ein hingebungsvolles) Ja! Das ist doch gar nicht viel verlangt, oder? Sex soll fantasievoll sein. Damit spreche ich ja auch über nichts Revolutionäres. Seit „Fifty Shades of Grey“ reden sowieso alle sehr offen darüber.

Sie selbst stehen ja auch auf jüngere Männer, richtig?
Oh ja. (grinst und nickt eifrig)

© Eden Books
Eveline Hall mit Hiltrud Bontrup und Kirsten Gleinig: 'Ich steig aus und mach ‘ne eigene Show', Eden Books, 19,95 Euro
Warum können Sie mit Männern in Ihrem Alter nichts anfangen?
Weil die keene Power mehr haben. Ab 50 merkt man schon, dass sie lahm werden. An meine Power ranzukommen ist sehr schwer und ich möchte keinen haben, den ich hinter mir herziehe. Dafür bin ich noch zu agil. Auch einer, der so in sich ruht, etwas gedämpft, den man überreden muss zu Aktivitäten, ist nichts für mich.

Wie alt darf er also höchstens sein?
Das hat mit dem genauen Alter nichts zu tun. Er muss ein junges Temperament haben. Schon von weitem muss ich merken, dass er noch lange nicht da ist, wo er eigentlich sein will. Dann interessiert mich der Reisepass auch nicht. Das bekomme ich schnell raus.

Woran?
In Gesprächen. Mit einem falschen Satz kann er sich schon verplappern…

So etwas wie „samstags schaue ich immer Sportschau“?
Ja. Oder Sätze wie: Du bist so dominierend. Ich muss immer überlegen, was du so denkst. So ‘ne blöden Fragen, bei denen ich mich frage, ob er nicht selbst nachdenken kann. So unmännlich. Eitelkeit ist auch unmännlich.

Sie wollen ja auch keinen schönen Mann mehr.
Nein, seit David Hall liegt mir gar nichts mehr an einem schönen Mann. Der war so schön, wahrscheinlich war es das.

Eine Überdosis Schönheit…
Ja, Überdosis. (lacht)

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„Ich stehe auf fantasievollen Sex“