Interview mit Hayley Hasselhoff„Für mich ist das Etikett Übergröße ein Erfolg“

von AMICA Online Redakteurin J'adore les Parisiennes!
Alle Infos zu Kerstin: oder folge mir auf

Vom Tabu zum Trend: Die Modewelt liebt große Größen. Ein paar Beispiele gefällig? In Paris, der Metropole der Haute Couture, hat im Herbst 2013 eine erste Plus-size-Modewoche stattgefunden, Designerin Eden Miller präsentierte kurz zuvor auf dem Catwalk der Fashion Week New York erstmals ihre Plus-size-Mode, Velvet D’Amour feierte ihre Modelerfolge erst mit 135 Kilo und umfangreiche Models zeigten gerade als sexy Kalender-Schönheiten die Kollektion des US-Labels Swimsuitsforall.

Und dann hat der Trend Plus-size diesen Sommer auch Twitter und Instagram erreicht. Unter dem Hashtag #Fatkini (Kombination aus dem englischen „fat“ für fett und Bikini) startete die New Yorker Mode-Bloggerin Gabi Fresh ihre Aktion, bei der sich kurvige Normalo-Frauen selbstbewusst im Bikini zeigen.

Eine der berühmtesten Vertreterinnen des Plus-size-Trends ist Hayley  Hasselhoff. Die Tochter von Schauspielerin Pamela Bach und Ex-„Baywatch“-Star David Hasselhoff. Er verschaffte Hayley mit süßen 14 schon den ersten Modeljob als Übergrößen-Model. Seinen berühmten Namen braucht die Schöne heute nicht mehr. Denn „tatsächlich hat mich in Berlin niemand nach meinem Vater gefragt, was gut war“, sagte Hayley Hasselhoff. Andererseits würde sie das auch überhaupt nicht stören.

© AFP
Hayley Hasselhoff als junges Mädchen mit ihrem Vater David Hasselhoff.
Zwischenzeitlich hatte sich die Promitochter mehr auf die Schauspielerei konzentriert, seit einem halben Jahr ist sie wieder ins Modelbusiness eingestiegen. Und direkt unterwegs von Australien nach London, Paris und Berlin.

Auf der Fashion Week in Berlin war sie der Stargast der Show des Labels Sheego. Für den ganzen Hype um ihre Person war Hayley bestens vorbereitet. „Ich bin der absolute Planer und habe meinen Terminkalender gerne vorher ganz genau fix, damit ich mir alle Outfits zurechtlegen kann“, verriet das Model im Interview mit AMICA Online. „Aber das wohl Wichtigste ist meine Polaroid-Kamera, die ich immer dabei habe. Ich war die letzten fünf Monate ständig auf Reisen, um auf den Laufstegen der ganzen Welt zu laufen. Da genieße ich es an einem freien Tag mich treiben zu lassen und Erinnerungsfotos zu schießen.“

© AFP; Instagram/Hayley Hasselhoff
Außerdem erzählt Hayley Hasselhoff, wie wichtig der Übergrößen-Markt für die Mode ist und was ihre berühmten Eltern dafür taten, dass sie sich in ihrem Körper wohlfühlt.

AMICA Online: Wie hat sich die Plus-size-Branche verändert?
Ich modele seit ich 14 Jahre alt bin und in der Vergangenheit, ganz ehrlich, habe ich wieder und wieder die gleichen Klamotten wie Spitzenkleider präsentiert. Jetzt endlich denke ich mir bei vielen Teilen: Ich liebe es! Da hat sich wirklich etwas verändert.

Was noch zum Beispiel?
Die Aufmerksamkeit, die der Plus-size-Markt aktuell bekommt, ist sehr bemerkenswert. Ich denke, dass der Bedarf an Mode in diesen Größen beachtlich ist, sodass die Menschen mehr und mehr die Bedürfnisse verstehen. Und was die Trends sind. Was Plus-size-Frauen wirklich in ihrem Kleiderschrank brauchen und nicht, was sie haben sollten.

Da ist der Modemarkt also im Wandel?
Tatsächlich habe ich das große Privileg die Branche international vergleichen zu können. Ich war in London, Paris, Australien und in Berlin auf den Fashion Weeks. So kenne ich das ganze Spektrum. Vor allem muss man in Betracht ziehen, dass all diese Designer gerade mal in ihrem zweiten Jahr sind. Es sind alles Newcomer. Ich wage mir es kaum vorzustellen, wohin uns diese großartige Reise führen wird.

© PR
Für das Label Sheego hatte Hayley Hasselhoff die Ehre die Show in Berlin zu eröffnen und abzuschließen.
Welche Unterschiede haben Sie zwischen den Ländern wahrgenommen?
Australien ist meiner Meinung nach weiter als andere Länder. Dort gibt es beispielsweise die „Cosmo“, die Plus-size-Models für ihre Modestrecken bucht ohne sie mit dem Label Plus-size zu versehen. Die Australier haben ein besseres Verständnis vom Plus-size-Markt und dessen Bedürfnissen. Interessant finde ich es immer, was die Menschen mir nach den Shows erzählen. In Paris war ich total überrascht davon, dass es immer noch nicht akzeptiert wird. Das wusste ich nicht. UK ist dagegen schon auf einem ziemlich guten Level. Da gibt es Zeitschriften wie das „Now Magazine“ oder auch das „Reveal Magazine“, das eine eigene Rubrik für Plus-size hat. Außerdem habe ich viele andere Magazine gesehen mit Stars, die ihre Kurven feiern. Auch im Bikini. Das ist großartig!

Sollten wir demnach lieber wie die Australier auf das Label „Plus-size“ verzichten?
Letztendlich ist das schwer zu sagen. Ich persönlich habe kein Problem mit dem Label Plus-size, weil ich es trage, seit ich angefangen habe zu modeln. Deswegen ist das Wort bei mir mit Erfolg verbunden. Andererseits sehe ich auch, dass Plus-size so unterschiedlich gebraucht wird. Die Modeindustrie nimmt es, wenn es ihr gerade passt. Oft tauchen Plus-size-Models in Magazinen auf, ohne dass sie so bezeichnet werden. Das ist nicht das, was wir wollen und verwirrt die Menschen natürlich. Es ist also schlicht und einfach die Entscheidung einer Marke oder eines Magazins, ob sie Models als Plus-size kennzeichnet.

Zurück zu Ihren Laufsteg-Jobs. Gibt es etwas, das Sie niemals tragen würden?
Wahrscheinlich nicht. Der Laufsteg gehört dem Designer und ich bin erst einmal nur das Model, das seine Kreationen präsentiert. Fashion Shows sind nicht dafür da, die Models vorzuführen, sondern die Kleidung. Deswegen würde ich wohl alles tragen, weil es nicht um mich geht.

Manchmal sind ja auch sehr transparente Teile dabei…
Etwas, bei dem ich nackt wäre, würde ich vermutlich nicht tragen. Es sei denn, es wäre ein High-End-Designer und ich wäre in meinem Leben an einem Punkt, an dem ich es für die richtige Entscheidung hielte. Das wäre jetzt momentan nicht der Fall. Da muss einfach alles passen.

1
„Für mich ist das Etikett Übergröße ein Erfolg“