Interview mit Lacoste-Designer Baptista„Einzigartigkeit kennt keine Kompromisse“

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© AFP
Designer Felipe Oliveira Baptista bedankt sich nach der Lacoste-Show am 8. September 2012 bei seinen Gästen.

Der normale Weg, um einem Designer einen Satz zu entlocken, führt normalerweise über eine Pressebeauftragte, die im besten Fall einen Termin vereinbart, der über eine Viertelstunde hinausreicht. Hier beim „Festival International de Mode et de Photographie“ in Hyères, wo sich Ende April 2013 drei Tage lang alles um den Mode- und Fotografienachwuchs dreht, scheinen die üblichen Regeln außer Kraft gesetzt zu sein.

In einer Reihe von Ausstellungen, Kollektions-Präsentationen, Konzerten und Konferenzen soll die kreative Energie gefördert werden, die ihren Höhepunkt in der Auszeichnung eines Nachwuchsdesigners- und fotografen bildet. Gleichzeitig trifft sich hier ein internationales Publikum aus der Design- und Modebranche, um sich auf herrlich unprätentiöse Art und Weise auszutauschen und zu vernetzen.

Mit einem Bier in der Hand steht Felipe Oliveira Baptista auf dem Rasen vor der Villa Noailles, einem architektonischen Wunderwerk aus den 20er-Jahren. Wer interessiert ist, hat also die Möglichkeit, dem Star-Designer zuzuprosten und ihn gleichzeitig mit Fragen zu löchern. Keine Sekunde habe er gezögert, als Jean-Pierre Blanc ihn als Juror angefragt hat, erzählt der Portugiese. „Jetzt sitze ich auf der anderen Seite und kann etwas zurückgeben!“

Futuristische Sportlichkeit
Lacoste, Herbst-Winter-Kollektion 2013/2014

Es scheint, als schwelge er noch immer in Erinnerungen, die er zu den besten Ereignissen der letzten elf Jahre zählt. 2002 war er nach seinem Studium an der Kingston University in London selbst als Gewinner des Festival-Preises in der Kategorie Mode hervorgegangen. Für Baptista bedeutete die Auszeichnung damals nicht nur eine Bestätigung seines Talents, sie markierte einen Wendepunkt in seinem Leben. „Ich interessierte mich für so viele verschiedene Richtungen. Also machte ich Hyères zu einem Test: Ich entwarf eine Kollektion und beschloss, die Reaktionen abzuwarten.“

Als er dann tatsächlich den Jury-Preis gewann, hatte sich seine Karriere entschieden. Es sollte also die Mode sein. Und nach dem Wettbewerb ging es für ihn auf der Karriereleiter steil bergauf. Er gründete sein eigenes Label, wurde offiziell in die Riege der Haute-Couture-Designer aufgenommen und 2010 von Lacoste zum Kreativmanager gemacht.

Lacoste – klassisch mit sexy Touch
Lacoste - Runway - Spring 2013 Mercedes-Benz Fashion Week

Das Traditionshaus feiert dieses Jahr sein 80-jähriges Jubiläum. Eine solche Historie bringt immer Richtlinien mit sich – in diesem Fall ist es das Poloshirt mit einem aufgenähten Krokodil. Wie es Felipe Oliveira Baptista dennoch schafft, seine eigenen Ideen und kreativen Gedanken einfließen zu lassen? Bei dieser Frage muss er schmunzeln. Und die Antwort klingt logisch: „Deshalb habe ich nebenbei noch meine eigene Linie, in der ich mich absolut verwirklichen kann.“

Lacoste sieht er dagegen als eine gute Übung für sich: „Ich versuche, die Kollektion voranzubringen und die Leute zu überraschen, während es sich immer noch nach Lacoste anfühlt.“ Genau das möchte er den zehn jungen Designern, die sich hier in Hyères präsentieren, mit auf den Weg geben: Egal für welche große Modemarke einer von ihnen mal arbeiten sollte, Erfolg wird sich nur dann einstellen, wenn der Designer hundertprozentig ehrlich zu sich selbst ist.

© Etienne Tordoir/Catwalkpictures
Felipe Oliveira Baptista mit der Festival-Siegerin 2013 Satu Maaranen

Baptista bringt es noch mal auf den Punkt: „Um einzigartig zu sein, darfst du niemals Kompromisse eingehen.“ Klingt einfach, doch die Realität sieht oft anders aus.

Henning Jurke, ein Deutscher unter den Finalisten, kennt die Problematik, sich als Modedesigner in einem Land zu etablieren, das Mode nicht als Kulturgut verinnerlicht hat. Für ihn ist es bereits ein großes Glück, aus den 350 Bewerbungen ausgewählt worden zu sein und die Möglichkeit zu bekommen, auf internationaler Ebene überhaupt wahrgenommen zu werden. Zudem bekommen die Jungdesigner durch das Festival wichtige Kontakte zu Einkäufern, Stoffmessen wie der Première Vision, Vertrieblern oder Designern mit auf den Weg. Die Estin Rakne Kikas erzählt, wie sie letztes Jahr direkt von Yohji Yamamoto, der 2012 in der Jury saß, zu seinem Label nach Tokio abgeworben wurde.

Doch selbst für die Gewinner ist der Preis nicht automatisch eine Erfolgsgarantie. Viktor & Rolf, Anthony Vaccarello oder Sandra Backlund gehören zu den Glücklichen, die es über das Festival hinaus geschafft haben. Und natürlich Felipe Oliveira Baptista, der dadurch überhaupt erst den Weg in die Mode gefunden hat und heute zu den Großen zählt.

Nach drei Tagen steht die diesjährige Gewinnerin fest: Die Finnländerin Satu Maaranen konnte mit handbemalten Couture-Kreationen und innovativen Materialien die Jury überzeugen. Ihre Pläne für die Zukunft? „Einen Job bekommen.“ Bleibt zu hoffen, dass sie sich an die Worte Baptistas erinnert und ihrer persönlichen Modephilosophie treu bleibt. Dann könnte es die Formel zum Erfolg sein.