Interview mit Mary McCartney„Nur einer fühlte sich vor meiner Kamera nicht wohl“

von AMICA Online Redakteurin J'adore les Parisiennes!
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© Mary McCartney
Die unendliche Mary McCartney: Auch in Sachen Selbstporträts ist die Starfotografin sehr experimentierfreudig.
Egal ob Hochzeitsfotos für Madonna oder Gwyneth Paltrow im Madonna-Style – Mary McCartney hat viele große Stars vor ihrer Linse gehabt. Als Fotografin hat sich die Britin aus der berühmten Familie auf Porträts mit einem ganz intimen Blickwinkel spezialisiert. Bekannter als Mary sind zwar Vater Paul als Ex-Beatle und ihre jüngere Schwester Stella als Designerin. Doch längst ist die erste Tochter aus Pauls Ehe mit Linda in die Fußstapfen der Mutter getreten. Diese war eine berühmte Fotografin und inspirierte Mary von klein auf.

Heute schwärmt Mary McCartney beispielsweise von Morgan Freeman, den sie vor ein paar Wochen in New York fotografiert hat: „Das war ein großartiges Abenteuer. Eine tolle Persönlichkeit.“  Genau wegen Shootings wie diesem lässt sich die 44-Jährige am liebsten überraschen von den Menschen. „Miley Cyrus wäre sicher toll vor der Kamera“, genauso wie die königliche Familie aus Herzogin Kate, Prinz William und Baby George. „Sie wären sehr interessant zu fotografieren. Zumal ich weiß, dass Kate sich sehr für Fotografie interessiert“, verriet McCartney. Bei einer Veranstaltung in der National Portrait Gallery habe sie sich schon einmal mit Kate darüber unterhalten.

Jetzt sind aber erst einmal andere Stars an der Reihe, die so noch nie zu sehen waren. Die Galerie „Crossover“ in Hamburg vereint unter dem Titel „Developing by Mary McCartney“ eine Auswahl noch nie gezeigter Arbeiten – unter anderem Fotos von Gwyneth Paltrow, Björk und Kate Moss. Parallel dazu präsentierte Mary McCartney einem exklusiven Kreis ihre Bilder für den Zeiss-Kalender. Für die Schwarz-Weiß-Aufnahmen wurde es zwischen dem Ex-Bondgirl Gemma Arterton und dem „To Rome With Love“-Schauspieler Alec Baldwin romantisch. „Ich kenne Mary schon eine Weile und schätze sie sehr“, sagte Baldwin. „Als sie mich anrief und mir von dem Shooting erzählte, sagte ich sofort zu.“ Unter dem Motto „Moments in the City“ führte Mary McCartney das Paar zu Lieblingsplätzen wie dem Empire State Building oder stillgelegten Bahngleisen in Manhattan. Wie sie diese Liebe inszenierte und wie fotoverrückt die ganze McCartney-Familie ist, erzählte die Fotografin im Interview.

[kein Linktext vorhanden]AMICA Online: Sie haben Gemma Arterton und Alec Baldwin als Liebespaar für den Zeiss-Kalender fotografiert. Wie schwierig ist es Liebe zu inszenieren zwischen zwei Menschen, die sich nicht kennen?
Mary McCartney:
In diesem Fall war es sehr einfach, weil es mehr um eine Romanze ging, weniger um die große Liebesgeschichte. Ich habe sie so in Szene gesetzt, dass es nicht ganz klar ist, wie die Beziehung zwischen den beiden wirklich ist. Es ist sehr spielerisch. Und die beiden haben wunderbar zusammengearbeitet. Sie ist großartig mit einem tollen Lächeln, er ist sehr charmant. Natürlich geht es darum, dass die Chemie zwischen den Menschen vor der Kamera stimmt. Ansonsten sieht es zu gestellt aus.

Wie haben Sie die richtige Chemie hinbekommen?
Sie hatten sich noch nie vorher getroffen. Aber ich kannte beide und dachte mir, dass sie Spaß miteinander haben würden. Außerdem haben wir an diesem einen Tag oft die Location gewechselt. Indem ich dafür gesorgt habe, dass sie ständig in Bewegung sind, hielt ich die Energie aufrecht.

In Ihrer aktuellen Ausstellung sehen wir auch Bilder großer Namen wie Kate Moss oder Gwyneth Paltrow. Was fasziniert Sie an Star-Porträts?
Zunächst einmal interessieren mich vor allem Porträts. Ich fotografiere auch viele nichtprominente Menschen, damit ich eine Mischung habe. So habe ich beispielsweise erst eine Gruppe von Synchrontauchern aufgenommen. Die Herausforderung ist immer da, wenn ich die Menschen treffe, denn es geht darum eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Nur so entstehen interessante Bilder.

Was ist für Sie die größte Herausforderung?
Wenn jemand sich nicht wirklich wohl fühlt, fotografiert zu werden. Dann muss ich es schaffen, dass die Person sich vor der Kamera entspannt.

Zu welchen Tricks greifen Sie da?
Ich habe mehrere Methoden auf Lager. Wenn jemand unentspannt ist, halte ich ihn möglichst in Bewegung, sodass er nicht lange an einem Fleck steht. Außerdem spielt das Licht eine wichtige Rolle. Ich setze weniger Blitze ein, sondern arbeite mehr mit konstanter Beleuchtung. Das erzeugt eine angenehme Atmosphäre. Zu guter Letzt unterhalte ich mich mit den Menschen und erkläre alles, was ich tue.

Gab es auch Stars, die Sie erst einmal entspannen mussten?
Ja manchmal, denn nur weil jemand Schauspieler oder Schauspielerin ist, fühlt er oder sie sich nicht automatisch wohl damit, fotografiert zu werden. Andere wie Gemma und Alec haben es von Anfang an richtig genossen, weil sie die Geschichte mochten.

Wer war nicht so locker wie die beiden?
Lou Reed. Er hatte nicht wirklich Spaß daran, fotografiert zu werden. Er war sehr schwierig. Aber ich liebe seine Musik und deswegen bin ich immer noch froh, das Foto gemacht zu haben.

Entscheidungsfreude? Nicht bei Stella McCartney! Sie bietet süße Spitze und Prints genauso wie Business-Outfits und Ultrabequemes – kurz: tolle Looks für jede Stimmung, die frau überhaupt haben kann.Ganz anders sieht es vermutlich aus, wenn Sie mit Ihrer Schwester Stella arbeiten.
Natürlich. Wir haben schon mehrere Kampagnen zusammen realisiert. Ich arbeite gerne mit ihr, weil wir uns gegenseitig antreiben und immer danach streben, etwas Neues auszuprobieren. Ich vertraue ihr absolut, es macht einfach sehr viel Spaß.

Und wer ist der Boss, wenn sie zusammen arbeiten?
Das kommt darauf an. Bei dem Projekt mit Kate Moss war Stella es natürlich, weil es für ihre Kampagne war. Wenn ich für mich Fotos mache, bin ich der Boss.

Was ist das Wichtigste, das Sie von Ihrer Mutter in Sachen Fotografie gelernt haben?
Wie sie Licht eingesetzt hat. Das passende Licht zu finden. Und auch, wie sich Menschen vor der Kamera wohlfühlen.

Was war besonders daran, wie sie Licht eingesetzt hat?
Als Fotograf hat man einen ganz besonderen Blick für das Licht. Sie fing besondere Stimmungen ein, ihr Licht schmeichelte den Menschen. Welche Dinge, in welchem Winkel gut aussehen, spielt auch eine wichtige Rolle. Meine Mutter gab mir keine konkreten Anweisungen. Vielmehr inspirierte sie mich dazu, ihre Bilder genau anzusehen. Dann überließ sie es mir, selbst zu lernen. Aber ich konnte sie immer um Rat fragen und ihr meine Fotos zeigen. Meistens waren ihre Kommentare sehr positiv.

Weil Sie von Licht sprachen - das erinnert mich an ein Bild, das sie von Ihrem Vater Paul gemacht haben.
Das war in der Wüste. Ich liebe dieses Bild. Es war großartig ihn auf dem Pferd zu fotografieren, weil er sehr gerne reitet.

Sie sagten auch, dass er ein dankbares Opfer für Ihre Kamera ist. Noch immer?
Oh ja. Wir lieben es gemeinsam zu arbeiten. Da können wir so viele verschiedene Ideen ausprobieren. Als letztes habe ich ihn im Studio fotografiert, als er sein aktuelles Album aufgenommen hat. Die Fotos sind jetzt im Booklet zu sehen.

Wie sieht es mit Ihrer restlichen Familie aus – wird sie gern fotografiert?
Ja, ich mache ständig Bilder von meiner Familie und meinen Freunden. Auch einfach Schnappschüsse. Da müssen sie durch.

Haben sie manchmal auch die Nase voll davon?
Gelegentlich muss ich die Kamera aus der Hand legen, das ist ganz normal. Aber meistens mögen sie es, weil sie die Bilder gerne als Erinnerungen haben. Und ich terrorisiere sie auch nicht, sondern mache das ganz schnell zwischendurch. (lacht)

 

Ausstellung:

„Developing by Mary McCartney“

Galerie „Crossover“

Milchstraße 7-8

20148 Hamburg

23. Oktober 2013 bis 31. März 2014