Interview mit Tim LabendaDarum trägt sein Krieger ein Kleid

von Amici Fashion-Weeker
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[kein Linktext vorhanden]Können Sie sich noch an „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende erinnern? Jenem Kinder- und Jugendbuchklassiker, in dem der kleine Bastian der Kindlichen Kaiserin einen neuen Namen gibt und so das Paralleluniversum Phantásien rettet? An den mutigen Krieger Atréju? Oder den gutmütigen Glücksdrachen Fuchur? 35 Jahre ist es her, dass die Geschichte zum ersten Mal als Buch erschien. 1984, fünf Jahre später, folgte der dazugehörige Film. Mit Erfolg. Kinder, Jugendliche, aber auch Erwachsene waren verzaubert.

Dazu gehörte auch der heute 28-jährige Tim Labenda. Der Designer aus Würzburg fiel mit klassisch-modernen Herrenoutfits 2013 in der TV-Sendung „Fashion Hero“ der „Vogue“-Chefredakteurin Christiane Arp auf und sie lud ihn prompt in den „Vogue“-Salon ein. Inzwischen hat der Designer den „Start Your Fashion Business Award“ gewonnen. Jetzt widmet Labenda dem Kinder- und Jugendbuch von einst eine ganze Damenkollektion für Zalando. Jedes der zehn Teile ist dabei einer konkreten Figur aus dem Buch gewidmet. Die uralte Schildkröte Morla bekommt beispielsweise einen bodenlangen, dunkelgrauen Mantel verpasst, der tapfere Krieger Atréju hingegen ein Kleid. Ein Krieger und ein Kleid? Was sich der Designer dabei gedacht hat, erzählt er AMICA Online im Interview.

AMICA Online: Herr Labenda, das Buch „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende ist Thema der Kollektion, die in Zusammenarbeit mit Zalando entstanden ist. Warum?

© Markus Jans/Zalando
Tim Labenda kreierte für Zalando eine Kollektion unter dem Titel „Die unendliche Geschichte“.
Tim Labenda: Die unendliche Geschichte von Michael Ende hat mich in der Kindheit sehr geprägt. Meine Mutter hat sie mir gefühlte 1000 Mal vorgelesen. Im letzten Sommer ist mir das Buch wieder in die Hände gefallen. Das zweite Kapitel hat mich immer am stärksten gefesselt und war Inspiration für die Kollektion. Alle zehn Teile tragen auch Namen aus dem Buch.

War „Die unendliche Geschichte“ Ihr Lieblingsbuch in Kindertagen?
Definitiv!

Waren Sie denn eine richtige Leseratte?
Ja, das war ich in jedem Fall, zumal es damals die neuen Medien ja noch gar nicht gab.

Wie war Tim Labenda als Kind denn sonst so?
(lacht) Natürlich immer brav!

Und in der Schule?
Meistens eher mit seinen Freunden beschäftigt als mit dem eigentlichen Unterricht.  Deutsch und Kunst waren meine Lieblingsfächer, weil mich Literatur, Architektur und Bildende Kunst sehr interessierten. Auch Biologie und Soziologie fand ich toll, da ich am Menschen und seiner Umgebung interessiert bin.

Ist es eigentlich schöner Kind oder Erwachsener zu sein?
Da liegt ja leider die Krux in der Sache. Als Kind möchte man immer erwachsen sein. Und als Erwachsener in so vielen Situationen gerne mal wieder Kind. Es hat beides seine Vor- und Nachteile.

Sie sagten zuvor, dass jedes Teil der Kollektion nach einem Charakter aus der unendlichen Geschichte benannt ist. Wer ist Ihr Lieblingscharakter?
Mein Lieblingscharakter ist Graógráman....

...der Bunte Tod, der nur im Buch, nicht aber im Film in der Wüste der Farben in Form eines Löwen auftritt und der chamäleonartig seine Farbe ändern kann...
Er ist intellektuell, einfühlsam, aber gleichzeitig kraftvoll und stark.

Was haben Sie ihm zu Ehren geschneidert?
Den gleichnamigen Pullover. Er ist gemustert wie eine versteinerte Oberfläche und weich und kraftvoll zugleich.

© Zalando
Tim Labenda kreierte für Zalando eine Kollektion unter dem Titel „Die unendliche Geschichte“.
Auch Atréju, dem mutigen Krieger und einem der Hauptcharaktere im Buch haben Sie etwas geschneidert: Ein Kleid! Wie passt ein Kleid zu einem Krieger?
Das wirkt tatsächlich auf den ersten Eindruck unverständlich. Aber Atréju verbindet ein starkes Band mit Bastian. Schließlich muss er zuerst die Geschichte durchleben, damit Bastian überhaupt nach Phantásien kommen kann. Das Kleid besteht aus zwei Teilen. Der transparente Teil steht für Atréjus Reise durch Phantásien und die dunkle Seite für Bastian, der aus dem Nichts Phantásien neu erschafft.

Zu welchen Anlässen trägt frau „Die unendliche Geschichte“?
Zu jedem Anlass. Alltagstauglichkeit und gute Kombinationsmöglichkeiten waren mir sehr wichtig. Meine Kundin soll auswählen können, was gut zu ihr passt und was immer wieder einsetzbar ist. Sie kann die Sachen im „Nachtwald“ anziehen, aber auch tagsüber in der „Wüste“.

Sie haben vor der TV-Sendung „Fashion Hero“ ausschließlich für Herren Mode kreiert. Auf den Ratschlag von „Vogue“-Chefredakteurin Christiane Arp hin nun auch Mode für Frauen. Mussten Sie dafür noch einmal die „Schulbank“ drücken?
Man braucht schon eine andere Herangehensweise: Ich habe die Männterteile für Frauen zugänglich gemacht, die Schnitte sozusagen übersetzt. Bei Frauen gibt es eine große Auswahl an Möglichkeiten in Bezug auf Produktgruppen und Silhouetten. Bei Männern ist das sehr viel überschaubarer.

Sie haben sich in der Vergangenheit oft sehr kritisch zur Sendung „Fashion Hero“ geäußert, die Sie aber sehr bekannt machte. Wie stehen Sie heute zu der Sendung?
Mir haben die Aufzeichnungen viel gebracht. Christiane Arp wurde ja auch erst durch die Sendung auf mich aufmerksam, als sie in der fünften Folge Gastmentorin war. Ob ich es noch einmal machen würde, weiß ich allerdings nicht, da ich die Art und Weise der Ausstrahlung nach wie vor kritisiere.

Welche weiteren Projekte warten als nächstes auf Sie?
Unsere vorerst größten Projekte sind der neue Standort in Berlin und direkt darauf folgend unser Debüt in Paris, wo wir Ende September die neue Sommerkollektion „Pool“ zeigen werden.

 

Die Kollektion ist ab dem 1. September 2014 auf www.zalando.de zu shoppen. Die Preisspanne bewegt sich zwischen 199 Euro für den Schal „Auryn“ und 899 Euro für den Mantel „Morla“.