Interview„Ich entwerfe das, was Leute tragen“

Rebecca Voight sprach mit dem Star-Designer, der erstmals eine Kollektion für die Modekette H&M entworfen hat.

Was war für Sie das Interessante an diesem Designprojekt für H&M?
Die Entscheidung beruhte auf Gegenseitigkeit. Mir gefiel die Idee, da ich finde, dass H&M etwas Modernes, sehr Zeitgenössisches darstellt. H&M hatte die Idee einer Zusammenarbeit mit mir. Bei unserem Zusammentreffen fiel der Entschluss dann nicht schwer.


Was haben Sie für H&M entworfen?
Ich entwerfe das, was Leute tragen. Es ist eine Art von Basisgarderobe, die von allem etwas enthält: Jeans, T-Shirts, Strickwaren, Alltagskleidung und sogar einige Kleider. Es ist für jeden etwas dabei, und das spiegelt genau meinen derzeitigen Standpunkt.


Haben Sie bei dieser Kollektion in anderer Weise gearbeitet als bei den Kollektionen, die Sie für Chanel, Fendi und Lagerfeld Gallery kreieren?
Wissen Sie, alle Arbeiten, die ich mache, sind sehr unterschiedlich. Das finde ich so spannend daran. Wäre es eine Secondhand-Kollektion von Chanel oder Fendi, wäre es nicht interessant.
H&M verfolgt eine andere Vorgehensweise. Das ist eine große Herausforderung, weil man Dinge in gewisser Weise vereinfachen muss, allerdings weniger, als man meint. Es gehört nicht zur Geschichte eines Hauses. H&M ist wie eine Insel mitten im Niemandsland – eine Trendinsel, die man besuchen will.


Was bedeutet Mode für Sie?
Ich kann Ihnen keine Definition der Mode von heute geben, da ich an morgen denke. Eine Definition der aktuellen Mode ist bereits Vergangenheit. Für mich bedeutet Mode die eigene Art, das, was man in der Luft fühlt. Es ist so etwas wie Instinkt. Es ist meine Aufgabe, wahrzunehmen, was in der Welt vor sich geht, was in der Luft liegt – zu antizipieren, ohne den Anschluss an die Realität zu verlieren.


Was bedeutet H&M Ihrer Meinung nach zurzeit für die Mode?
H&M hat die Mode weniger prätentiös gemacht, aber als Mode belassen, und das ist sehr wichtig.


Glauben Sie, dass umgekehrtes Elitärdenken eine neue Art von Eleganz geworden ist?
Ja. Es ist wie die alte Idee von Chanel, echte Juwelen mit falschen zu kombinieren. Es zeugt von geringem Niveau, teure Kleidung nur zu kaufen, um anderen seinen Reichtum zu beweisen. Heute zählt eher, wie elegant man ist. Ein Modehaus wie H&M macht moderne Trendmode für den Moment. Damit kann man sich gut kleiden, auch wenn man nicht reich ist.


Was lässt einen wirklich gut aussehen?
Es muss eine Mischung aus allem sein: Leben, Kleidung und innere Einstellung. Wissen Sie, es geht dabei nicht nur um eine Sache. Eleganz ist ähnlich wie Mayonnaise: Sie schmeckt oder sie schmeckt nicht.


Welche Rolle spielen Trends zurzeit? Richtet sich die Mode immer noch nach Trends und woher kommen diese Trends?
Modetrends wird es immer geben. Manchmal gibt es jedoch zu viele, das ist dann eine Art von Falle. Aber man muss ja etwas tragen. Ich glaube, es gehört zur menschlichen Natur, sich etwas Nettes zum Anziehen zu suchen.