Stil-IkoneJane Birkin wird 60

Manchmal passiert es der Pop-Ikone immer noch, dass sie aus fremden Schlafzimmern die eigene Stimme hört. Vorzugsweise an lauen Sommerabenden, wenn Fenster und Balkontüren weit geöffnet sind. Denn der Sechziger-Jahre-Hit gehört auch heute noch für viele verliebte Paare zum Begleitinventar.

Birkin war 22, als sie für das Bettgeflüster mit Serge Gainsbourg ins Studio ging. Die Sängerin, Schauspielern und Mode-Ikone, die seit dieser Zeit als „ewiges Mädchen“ gilt, ist ihrem Ruf zum Trotz jetzt 60 Jahre alt geworden. Die Lieblings-Engländerin der Franzosen ist sie bis heute geblieben.

Dabei war sie als Sängerin für den Titel nicht einmal erste Wahl. Der französische Chansonier Gainsbourg hatte das Lied ursprünglich für seine Geliebte Brigitte Bardot geschrieben. Die beiden nahmen den Titel auch gemeinsam auf, Bardot gab die brisante Aufnahme jedoch erst Jahre später frei.

Der erste gesungene Orgasmus der Popgeschichte

Also setzte sich Gainsbourg nochmals mit Birkin zum Stöhnen vor die Mikrofone. Der gesungene Orgasmus wurde zum Skandal. Die BBC spielte die Platte monatelang nicht, der Vatikan ließ sie auf den Index setzen.

Echt oder nicht, das war damals die große Frage. Tatsächlich gab es eine Liebesbeziehung zwischen Birkin und Gainsbourg, die auch für reichlich Schlagzeilen sorgte.

Die beiden heirateten und blieben zwölf Jahre zusammen. Auch nach der Trennung aufgrund von Gainsbourgs Alkoholsucht nahmen sie noch viele gemeinsame Lieder auf.

Erfolg auch ohne Gainsbourg

1991 starb Gainsbourg, sie sang weiter und produzierte bis heute insgesamt 16 Platten. Ihr aktuelles Album „Fictions“ ist in diesem Frühjahr erschienen.

Seit Gainsbourgs Tod wurde zunehmend anerkannt, dass sie auch ohne ihn ein großes künstlerisches Potenzial besitzt. Neben der Musik hat sie mehr als 70 Filme auf ihrem Konto. Neben „Blow Up“ sind darunter auch andere Klassiker wie „Tod auf dem Nil“ an der Seite von Romy Schneider und Alain Delon.

Die Stil-Ikone

Ihren mädchenhaften Charme hat sich Birkin über all die Jahre bewahrt. Immer noch trägt sie mit Vorliebe Turnschuhe, weiße Männerhemden und Jeans.

Aber bei aller Lässigkeit hat die Künstlerin auch in der Welt der Luxusmode ihre Spur hinterlassen: Seit 1984 trägt eine der teuersten Hermès-Taschen ihren Namen. Für die übergroßen „Birkin Bags“ werden Preise bis zu 30 000 Euro bezahlt.

Gerade bei vielen jüngeren Modeleuten und Musikern gilt sie heute als Stil-Ikone, was ihr allerdings überhaupt nicht gefällt. „Ikone“, sagt sie dann. „Das klingt, als ob man ein Totempfahl wäre.“