Jude Law Reizüberflutung
Aber Jude ist ja nicht blöd. Zur „Sky Captain“- Interviewrunde erschien er braun gebrannt mit neckischem Schal um den Hals, strahlte entwaffnend und plauderte entspannt über einen Kurzbesuch in Italien, wo Sienna gerade mit Heath Ledger „Casanova“ drehte. Irgendwann versuchte ich es dennoch mit einer unverfänglichen Frage: „Apropos, Sie und Ihre Frau als Co-Produzentin, wie …?“ – „Dazu nur so viel“, antwortete er, „ich glaube, über Sadie und mich ist schon genug geschrieben worden“, und ganz zufällig betrat genau in diesem Augenblick irgendein anderer Co-Produzent von „Sky Captain“ das Zimmer und erstickte jede Nachfrage mit professionellen, aber sturzlangweiligen Auskünften über die tolle Zusammenarbeit aller Beteiligten.
Danach entzog sich Jude mit jeder folgenden Begegnung noch ein wenig mehr. Interviews wurden last minute in unpersönliche Pressekonferenzen verwandelt, bei denen er aus 20 Metern Entfernung übers Mikrofon Erklärungen abgab: „Zu Ähnlichkeiten mit meiner promisken Filmperson Alfie kann ich nur sagen: Ich habe mit 24 geheiratet und drei Kinder gezeugt.“ Oder: „Sienna ist großartig. Sie hat mich umgehauen, als ich sie das erste Mal spielen sah.“ Blablablabla.
Raffiniert. Er hat es tatsächlich geschafft, das Interesse an ihm in Reizüberflutung zu ertränken. Dass ich mir einmal die Chance auf Jude entgehen lassen würde, schien mir einst so wahrscheinlich wie ein Faible für praktische Frisuren und Gesundheitsschuhe. Aber es ist so gekommen. Ein Gruppeninterview mit Jude, Natalie Portman und Clive Owen über ihr Ensemblespiel in „Hautnah“? Ach nö, musste nicht sein. Es ist ein Film, in dem Jude aufs Neue beweist, dass er eine Augenweide mit großem Schauspieltalent ist. Dafür schätze ich ihn. Sehr. Aber mit uns wird es nichts mehr werden.
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