Jürgen DrewsZeit für Altersweisheiten

AMICA: „Jürgen Drews, 60“: Was heißt das für Sie?
Jürgen Drews: Dass ich das letzte Fünftel des Lebens erreicht habe. Das ist einfach scheiße. Ich finde das Leben viel zu spannend.

Wann hatten Sie zum ersten Mal das Gefühl, alt zu werden?
Als auf der Schulter Haare wuchsen. Und auf den Ohren.

Hat das Altern auch sein Gutes?
Ja, dass ich den „Spiegel“ endlich kapiere. Ist das nicht toll? Seit 15 Jahren lese ich den, und anfangs habe ich vieles nicht verstanden. Was heißt „sich gerieren“?

Sich auf eine gewisse Weise darstellen.
Richtig. Das Wort kannte ich gar nicht vor zehn Jahren. Empathisch, Larmoyanz: Habe ich alles aus dem „Spiegel“ gelernt. Ich gucke jetzt in den Duden. Es interessiert mich alles mehr.

Was haben Sie noch an Altersweisheiten gesammelt? Dinge, die Sie erst spät kapiert haben?
Dass ich in einer kulturellen Luftblase gelebt habe. Keine Ahnung von Geschichte, keine Ahnung von der Welt. Ich habe auch erst spät in mich reingehorcht: Wer bist du eigentlich? Warum bellst du immer an derselben Stelle, warum plusterst du dich hier auf ? Ach, mal wieder deine Verklemmtheit.