Julia Stegner Schönes, schönes Mädchen
Groß, blond, deutsch. Julia Stegner verzaubert die Welt. Sie läuft für Chanel, Boss und Givenchy, wirbt für Maybelline und Mercedes. Sie macht Marken sexy, ohne selbst eine geworden zu sein.
Text: Simone Herrmann
Langgliedrig ist sie, sehr groß und doch von einer fast schwebenden Anmut. Unvergessen der Moment, als sie 2003 die Show von Yves Saint Laurent eröffnete. Das durchsichtige Seidenkleid schien kaum ihren Körper zu berühren, sie ging durch die Flashs der Fotografen wie durch Sternregen, mühelos, mit dieser seltsam traumwandlerischen Sicherheit.
Die Show war ihr Durchbruch, danach wollte jeder das Mädchen aus Deutschland. Sie wurde Covergirl der italienischen „Vogue“, konnte sich die Fotografen Mario Testino, Peter Lindbergh, Steven Meisel und die Kampagnen-Shootings aussuchen, ein Star. Die Presse feierte sie als Nachfolgerin von Claudia Schiffer.„Eigentlich“, meint Julia Stegner, und ihre schwarze Lackjacke knistert leise, als sie sich mit diesem Nixenlächeln vorbeugt, „eigentlich wollte ich Rechnungswesen studieren.“ Ah ja, Mathematik?
„Nein“, sagt das Model, „Rechnungswesen. Statistiken, schematische Darstellungen. Das hätte mir gefallen. Die Sicherheit dabei, dieses Geordnete, Voraussehbare.“ Der komplette Gegensatz zu ihrem Leben als Deutschlands berühmtestes Model. Büroalltag, Familie, ein Haus im Grünen, geordnete Verhältnisse.
Profi durch und durch
Dabei müsste sie nur aus dem Fenster sehen. Überall in Berlin ist ihr Bild plakatiert. In der Branche gilt die 26-Jährige als Inbegriff von Professionalität. „You’re so german“, diesen Stoßseufzer hat sie am Anfang ihrer Karriere oft gehört. Sie ist geerdet, weiß sich einzuordnen. Eine Gabe, die heute, wo sich jede Soap-Statistin als Nabel der Welt begreift, selten geworden ist.Das habe, sagt ihre Freundin Luca Gadjus, selbst ein berühmtes Model, „viel mit der Geborgenheit in Julias Kindheit, mit dem Rückhalt, den sie in ihrer Familie hat“ zu tun. „Bei Luca“, gibt Julia das Kompliment zurück, „habe ich schnell eine Vertrautheit gespürt, für die ich in einer Freundschaft normalerweise Jahre brauche. Das lustigste gemeinsame Erlebnis? „Atlantic City!“, sagt Julia wie aus der Pistole geschossen.
Spaß in Atlantic City
„Ich war damals unter 21 und Luca hatte ihren Reisepass nicht dabei. Deshalb durften wir uns im Casino nur auf dem gefliesten Boden, nicht auf dem Teppich mit den Spielautomaten aufhalten. Da haben wir einfach ein bisschen Party auf der Toilette gemacht und uns schief gelacht dabei. Aber die Klo-Damen auch. Die müssen gedacht haben, dass wir entweder total betrunken oder auf Drogen sind. Vielleicht war es der viele Sauerstoff, der dort durch die Lüftungen gepumpt wird, wer weiß …“Das rätselhafte Nixenlächeln
Spaß haben, jeden Tag genießen – „das predigt mir mein Freund auch immer“, erzählt Julia und verschweigt bescheiden, dass es sich bei ihrem Freund um Meisels einstigen Assistenten Steven Pan, einen der vielversprechendsten jungen Fotografen New Yorks, handelt.Julia lächelt, dieses kleine rätselhafte Nixenlächeln. Bald wird sie wieder für Lagerfeld, Valentino oder Givenchy über den Laufsteg gehen, mit diesen fließenden, seltsam schwerelosen Bewegungen, wird für zwei, drei Minuten alles das sein, was man von ihr erwartet, kühl, ladylike oder kapriziös, und wird vor allem eins dabei bleiben: ganz sie selbst.
Den kompletten Artikel über Topmodel Julia Stegner lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der AMICA (05/2009).
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