Karl LagerfeldHappy Birthday, Narziss

Text: Markus Weiß

Er ist der Mann mit dem Fächer, der Hansdampf in allen Gassen, jemand, der sich über alles echauffiert. Für andere ist er ein Stilgott, jemand, der Dinge klar anspricht und einen Geschmack hat so strahlend wie sein weißer Hemdkragen. Zugegeben Karl Lagerfeld ist eine Person, die polarisiert und dessen spitze Zunge vor nichts halt macht – nur er selbst bleibt trotz aller Offenheit das wohl größte Geheimnis, denn den wahren Menschen hinter der Sonnenbrille kennt keiner so genau.

Irgendwo hinter hochgeschlossenem Stehkragen, Sonnenbrille und losem Mundwerk verbirgt sich Karl Otto, Sohn eines Dosenmilchfabrikanten, der es vom 17-jährigen Newcomer zum weltberühmten Modezaren gebracht hat. Schuld an seinem Erfolg hat neben dem unglaublichen Talent einzig und allein die Zielstrebigkeit des prominenten Zopfträgers. Valentino, Fendi, Chanel: Schritt für Schritt arbeitete sich der ehemalige Fächerwedler in der Fashionwelt nach oben. Das brauchte seine Zeit, aber die ist für den Deutschen eher relativ.

Stil-Ikone in Bildern
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Zeitloses Genie

Auf seiner offiziellen Homepage behauptet Kaiser Karl, wie er von der Branche gerne genannt wird, eisern, 1938 geboren zu sein und macht sich damit glatte fünf Jahre jünger. Alles ist halt relativ und wen kümmert schon das Alter bei einem Mann, dem die Zeit nichts anzuhaben scheint.

Mit den Jahresangaben tut sich der Modezar ähnlich schwer wie mit einer klaren Berufsbezeichnung. Ihn nur als Modedesigner zu bezeichnen wäre ein Fehler, denn er scheint so voller Energie zu stecken, dass eine Tätigkeit allein den niemals Schaffensmüden nicht auszulasten scheint. Entwirft er keine Kleider, fotografiert er. Fotografiert er nicht, arbeitet er als Kostümbildner. Freizeit? Dieser Begriff kommt im Vokabular des Wahlfranzosen nur am Rande vor.

Das Ziel vor Augen

Der geniale Narziss ist ein Mensch fürs Rampenlicht. Was er sich in den Kopf gesetzt hat, erreicht er in der Regel auch. Vor geraumer Zeit nahm der Fashion-Fanatiker über vierzig Kilo ab – nur damit er in die Slim-Pants seines Design-Kollegen Hedi Slimane passt.

„Ich mache gerne Sachen, um sie zu machen. Ich hebe nichts auf“, sagte Lagerfeld einmal in einem Interview. „Es ist, als ob ich nie etwas getan hätte.“ Da würden ihm alle widersprechen. Lagerfeld hat sich schon zu Lebzeiten einen Platz auf dem Fashion-Olymp gesichert, denn mehr als eine Kreation für die Ewigkeit geht auf das Konto von Karl dem Großen.