Kostümdesign Diven-Couture

 

Von Maria Callas über Edith Piaf bis hin zu Montserrat Caballé: Eine Ausstellung in Moulins zeigt opulente Roben von dreißig Bühnen-Stars und erzählt vom Phänomen der Diva.
Text: Verena Breitbach
Als Maria Callas 1964 im Rampenlicht der Pariser „Opera Garnier“ stand, trug sie eine crèmefarbene Robe mit rot-goldenem Samtschleier.

Kostümdesigner Marcel Escoffier hatte die Sängerin für die wohl bedeutendste Rolle ihres Lebens eingekleidet: für die der „Norma“ in der gleichnamigen Oper von Vincenzo Bellini.

„Diese Kleider sind die Symbole der populären Diven“, sagte Maurizio Cattan, Kurator der Ausstellung „Vestiaire de divas“ in Moulins gegenüber der französischen Zeitung „Le Figaro“.

Die Bühnengarderobe von dreißig Diven erzähle Geschichten, wie sie ein Vater seinem Kind vor dem Einschlafen erzähle, so der Designer.

Die Erinnerungen an die großen weiblichen Stars sprechen für sich: In der Ausstellung wandelt man zwischen den Roben der großen Bühnen-Göttinnen, zwischen Emotion und Epik, zwischen Tränen und Lachen.
© Patrick Lorette, BNF, ADS
Da ist zum Beispiel ein Kleid aus schwarzem Krepp-Stoff mit schwingendem Rock, berühmt dank Edith Piaf. Die „Grande Dame des Chanson“ trug es, als sie sich im Paris der 30er-Jahre einen Namen machte. Später sollten derart schlichte, schwarze Kleider zu ihrem Markenzeichen werden.

Viel auffälliger sah Zizi Jeanmaire bei ihrem Auftritt im Spektakel „King Kong“ von Serge Gainsbourg aus. Die Schauspielerin glitzerte in einem Kleid mit schwarzen, braunen und goldenen Pailletten.

Auch in Moulins zu sehen: Die ausladende Organza-Kreation von Christian Lacroix, die die amerikanische Opernsängerin Renée Fleming in der Verdi-Oper „La Traviata“ umhüllte. Sowie die goldene Robe, die Kiri Te Kanawa in der Strauss-Oper „Der Rosenkavalier“ im Jahr 1976 trug. Sie stammt von Ezio Frigero.

Faszination Diva

"Diva“ bedeutet „göttlich“ und stammt aus dem Lateinischen. Schon seit Beginn des 19. Jahrhunderts steht er für starke weibliche Charaktere. Ende des Jahrhunderts bezog die Bezeichnung auch Theater-Schauspielerinnen mit ein.

Weniger wegen ihrer Schönheit, sondern vielmehr wegen ihres Talents bekamen diese den Titel „Diva“. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren Charisma und Temperament einer Bühnendarstellerin die entscheidenden Kriterien für die Bezeichnung als Diva.

Nach dem zweiten Weltkrieg waren sie dann vor allem in „Hollywood-Streifen“ zu sehen und Maria Callas zum Inbegriff der Diva. Inzwischen wird fast jede weibliche Darstellerin von anhaltender Berühmtheit als Diva bezeichnet.
© REUTERS
Christian Lacroix

Gefürchtete Frauen?

"Viel weniger launenhaft als andere Kundinnen“, sind Diven laut Designer Christian Lacroix. Dem „Le Figaro“ sagte der Desginer, die Stars hätten oft einfach Lampenfieber und wünschten sich deshalb Kleidung, in der sie sich wohl fühlten.

So erklärte einst auch Sopranistin Régine Crespin: „Bevor wir anfangen zu singen, bewerten uns die Zuschauer bereits wegen unseres Aussehens“.

Philippe Bineau leitete den Kostümfundus der Pariser Oper dreißig Jahre lang und hatte täglich mit den großen Diven zu tun. Die Sängerin Natalie Dessay, erzählt er, sei sehr leicht einzukleiden gewesen: „Einige fühlten sich jedoch zu dick, andere weinten, weil sie sich hässlich fanden.“

Wie sie beruhigt werden konnten? „Man muss ihnen zuhören, das ist das ganze Geheimnis“, sagt Bineau.

Die Ausstellung „Vestiaire de divas“ ist noch bis zum 31. Dezember im „Centre national du costumes de scène“ in Moulins zu sehen.
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