Die DiagnoseKylies Kampf zurück

Kylie Minogue sagte nichts. Sie verschwand. Es gab von ihr, die vorher drei-, viermal die Woche fotografiert worden war, beim Einkaufen, am Flughafen, auf Partys, deren Bilder immer gedruckt wurden und immer gern angeschaut wurden, plötzlich keine Fotos mehr. Und wenn doch, dann erkannte man sie, versteckt hinter Sonnenbrille und Kopftuch, nur daran, dass Olivier Martinez sie an der Hand hielt. Heute sagt sie über diese Zeit, sie sei schon froh gewesen, wenn sie es schaffte, bis an das Café an der nächsten Ecke zu gehen und wieder zurück.

Nicht einmal ein Jahr nachdem der Krebs festgestellt wurde, hieß es: Chemo erfolgreich. Krebs besiegt. Alles super. Sie besuchte die Schauen in Paris und Mailand und gab ein großes Fernsehinterview. Ganz überzeugt war man nicht, dass sie wieder gesund war. Aber man wollte es ihr gern glauben. Das Versprechen, eine so schwere Krankheit so schnell überwinden zu können – das war zu schön, um es nicht zu glauben.

Sie setzte ihre abgebrochene Tournee unter dem Namen „Showgirl – The Homecoming“ fort, zuerst in Australien, dann in England. An einem Januarabend, wie an jedem der sechs Abende davor, tritt sie in der Wembley Arena vor 12 000 frenetisch jubelnden Menschen auf. Draußen ist grauer Londoner Vorort. Drinnen die lipglosspinke Kylie-Welt. Es gibt schrille Kostüme (Galliano! Pucci! Dolce & Gabbana!), geölte Muskelmänner, als Paradiesvögel verkleidete Tänzerinnen.

Kylies Kampf zurück
Australian pop star Kylie Minogue performs with dancers at the Sydney Entertainment Centre

Und es gibt Kylie, die auf einer Mondsichel über die Bühne schwebt, Kylie in einem Regen aus Goldkonfetti, Kylie, die über ein paar Fans in strassbesetzten Cowboyhüten kichert. Der größte Special Effect in der bombastischen Show ist sie selbst. Bei ihrer zweiten Zugabe holt sie einen kleinen Jungen zu sich auf die Bühne, der „Can’t Get You Out Of My Head“ anstimmt, während sie um ihn herumtanzt, als wäre er und nicht sie der Star. Die Mutter des Kleinen muss vor lauter Rührung weinen. In solchen Momenten gelingt Kylie Minogue, was bei anderen hallenfüllenden Stars so selten ist: Sie ist einem nah.

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Es gibt mich schon so lange. Manchmal fühle ich mich 100 Jahre alt“, sagt sie am Tag nach dem Konzert. „Wenn ich ins Publikum gucke, sehe ich Drag Queens, Großmütter, fünfjährige Kinder, Frauen in meinem Alter, die mit mir zusammen erwachsen geworden sind. Wenn ich mit meiner Show etwas aussagen will, dann, dass sich all diese Menschen Kylie teilen können.“