Die ZukunftKylie – ein Boomerang

Kleine Mädchen finden sie süß, weil sie aussieht wie ein Püppchen. Frauen lieben sie, weil sie eine Kämpferin ist. Männer, weil sie scharf ist. Schwule Männer, weil sie so schön kitschig ist. Sie gehört jedem. Für sie selbst bleibt dabei wenig Platz.

Bis Ende Januar war sie auf Tournee. Jetzt nimmt sie im Studio ihr neues Album auf, das im Herbst erscheinen soll. Sie hat außerdem gerade eine ihr gewidmete Moderetrospektive im Victoria & Albert Museum in London eröffnet, eine Ehre, die bislang nur Vivienne Westwood und Gianni Versace zuteil wurde. Die Ausstellung kommt gerade passend: Sie wurde kürzlich zur bestangezogenen Frau in England gewählt.

Wie sie all das schaffen will? „Darüber denke ich nicht nach“, sagt sie. „Aber der Gedanke, dass die Tournee bald vorbei ist, tut gut. Bei meinem letzten Auftritt werde ich wahrscheinlich auf der Bühne in mich zusammenfallen.“

Vier Tage nachdem sie das sagt, muss sie tatsächlich eines ihrer Konzerte in Manchester nach der Hälfte abbrechen. Grippe, sagt das Management, die Show wird nachgeholt. Trotzdem denkt jeder: Es ist einfach zu viel für sie. Und manche Ärzte sprechen es ganz drastisch aus: „Sie mutet sich zu viel zu! Wenn sie gesund bleiben will, sollte sie aus dem Showgeschäft aussteigen.“

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Aber im Moment sitzt sie noch sehr munter in einem Londoner Privatclub. Es gibt rosa Cocktails, rosa Champagner und einen Duft in einem rosa Flakon. Darling steht in kindlicher Schrift darauf. Man erfährt nicht, ob sie diesen Namen ausgesucht hat, weil sie „Everybody’s Darling“ ist. Oder weil sie vielleicht jeden Darling nennt. Ist auch egal. Es ist ein Name, unter dem sich jeder alles vorstellen kann. In England, wo der Duft schon auf dem Markt ist (ab März in Deutschland), verkauft er sich nach Sarah Jessica Parkers Lovely und Intimately Beckham der Beckhams am besten. Ebenso gut wie alles, was es von Kylie Minogue zu kaufen gibt.

Es gibt eine Pressekonferenz, Fotos werden geschossen. Dann Interviews. Aus 25 Minuten werden 15, bitte nur Fragen zum Parfüm und die Aufforderung, das Namensschild wieder anzustecken: „Kylie kennt gern die Namen der Leute. Damit sie sie direkt ansprechen kann.“ Das tut sie – sehr schmeichelhaft – dann auch. „Ich kann Ihnen nicht sagen, was als nächstes passieren wird. Ich wurde im letzten Jahr deutlich daran erinnert, dass man nie weiß, was kommt. Aber ich weiß, dass ich das hier nicht machen würde, wenn ich die letzten 20 Jahre keine Beziehung zu meinem Publikum aufgebaut hätte.“

Im Mai nächsten Jahres wird Kylie Minogue 40. Sie sieht nicht so alt aus, wie sie ist. Aber sie ist mehr bei sich. Authentischer. Ihr Lächeln, das früher nur aus Zähnen zu bestehen schien, erfüllt jetzt ihr ganzes Gesicht. Als sie geht, wirft sie den Paparazzi, die vor dem Club auf sie gewartet haben, noch eins davon zu. Dann ist sie weg. Der Raum kommt einem trotz der vielen Menschen leer vor.
Später liest man, dass Kylie in der Sprache der Aborigines Bumerang bedeutet. Da muss man lächeln.