Kylie MinogueIch liebe, lebe, weine

Text: Marlene Sørensen
Kylie Minogue
Singer Minogue smiles as she arrives at the inauguration party of 'Kylie: The Exhibition' at the Victoria and Albert Museum in London

„Mir geht es gut. Ich mache genau die gleichen Dinge, die ich vorher auch gemacht habe. Nur im Kopf bin ich woanders. Ich versuche, mehr zu genießen, zu lieben, zu leben, zu weinen, wenn mir danach ist. Es ist alles so aufregend. Mein Leben kommt mir gerade vor wie der Abschlussball, den ich als Teenager nie hatte.“

Kylie Minogue lehnt sich zurück, zufrieden mit ihrer Antwort. Sie wusste, dass die Frage kommen würde. Die Frage danach, wie sie sich seit ihrer Brustkrebserkrankung, die im Mai 2005 festgestellt wurde, verändert hat. Sie streicht über den Kopf („Zuerst habe ich die kurzen Haare gehasst. Ich fühlte mich so entblößt. Jetzt mag ich sie.“), dann lächelt sie, wie sie an diesem Tag immer wieder lächelt: voller Zuversicht.

Sie trägt ein schwarzes Keid, das so schlicht ist, dass es teuer sein muss, und Diamanten, die so falsch blitzen, dass sie echt sein müssen. Sie ist Kylie Minogue als Audrey Hepburn. Ihre Finger mit zartrosa lackierten Nägeln umfassen ein Glas zartrosa Champagner. Nippen. Lächeln. „Ich bin wieder da.“

Der „Kylie-Effekt

Kylie Minogue hatte schon einige Comebacks, aber keines wurde so sehr erwartet wie dieses. Weil es nicht zu erwarten war. Mitten in ihrer bis dahin größten Tournee, der Showgirl-Tour, wurde Brustkrebs bei ihr festgestellt. Frühes Stadium, hieß es, gute Heilungschancen, immerhin war sie erst knapp 37. Sie blieb zunächst bei ihren Eltern in Melbourne und zog dann zu ihrem Freund Olivier Martinez nach Paris, um eine Chemotherapie zu machen. Und sicher auch, weil das Interesse an ihr in Frankreich nicht so massiv ist wie in England, wo sie seit Jahren lebt, und in ihrer Heimat Australien.

Als ihre Krankheit bekannt wurde, belagerten Fans und Presse tagelang das Haus ihrer Eltern. Die Anteilnahme war groß, selbst der australische Premier Howard meldete sich: „Ich denke, alle Australier fühlen mit ihr und wünschen ihr alles Gute.“ In den Monaten nach der Diagnose stieg die Zahl der Frauen, die sich in Australien einer Mammographie unterzogen, um 40 Prozent. Der „Kylie-Effekt“. Wenn es ihr passieren kann, schienen die Frauen zu denken, dann bestimmt auch mir.