Projekt KylieSie erfindet sich neu

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Sie ist wieder da. Und vielleicht war das doch zu erwarten. Kylie Minogues größtes Projekt war immer Kylie Minogue. Keine, außer vielleicht der unvermeidlichen Madonna, hat sich so oft und so gründlich neu erfunden wie sie und war dabei so erfolgreich: Nummer-eins-Hits in 40 Ländern, 12 Alben, 30 Millionen verkaufte Platten. Dabei ist ihre Musik Nebensache.

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Kylie Minogue ist ein Gesamtkonzept – Musik gehört dazu, sicher, aber auch Mode, Kinderbücher, DVDs, Puppen, Lingerie und jetzt ein Parfüm. Sie hat, anders als Madonna, nie einen künstlerischen Anspruch erhoben, sie wollte immer nur unterhalten. Und wer unterhalten will, der braucht ein Publikum. Der muss auf die Bühne.

Das Phänomen Kylie? Bei ihr sind sich alle einig. Jeder findet sie süß. In all ihren Rollen – Automechanikerin in der australischen Seifenoper „Neighbours“, Popnudel aus der Hit Factory von Stock Aitken Waterman, Indiegirl an der Seite von INXS-Sänger Michael Hutchence (der einmal angab, sein Hobby wäre es, Kylie „zu verderben“), von Stylist William Baker inszenierte „Geile Kylie“ („Bild“) in goldenen Hotpants – blieb sie immer irgendwie unschuldig. Sie verkauft alles gleich gut, gleich frisch und gleich enthusiastisch. So entsteht nie der Eindruck, sie würde etwas berechnen.

Man kennt mittlerweile so viele Kylies, dass einem oft nicht auffällt, wie wenig man eigentlich über sie weiß. Klar, man kennt die Mr. Minogues: Hutchence, Fotograf Stéphane Sednaoui, Model James Gooding, dann Schauspieler Olivier Martinez. Man weiß, dass sie Mode liebt, gut befreundet ist mit Karl Lagerfeld, und John Galliano sie anhimmelt. Man hat mal gelesen, dass sie in ihrer Freizeit gern ihre Wohnung schrubbt. Aber, sagen wir, eine Homestory mit Kylie Minogue? Undenkbar.

Sie weiß: Je weniger Details sie preisgibt, umso mehr kann man sich unter ihr vorstellen. James Gooding bezeichnete sie nach der Trennung mal als kontrollierend und spaßresistent. Die Autorin Kathy Lette, eine gute Freundin, beschrieb sie in einem Porträt hingegen als immer gut gelaunt. Es soll schon vorgekommen sein, dass Kylie auf langweiligen Dinnerpartys die ganze Gesellschaft zu lustigen Spielen überredete. Beide Versionen sind möglich. Die wahre Kylie liegt wohl irgendwo dazwischen: ein fröhliches Arbeitstier.

Nicht, dass sie dazu etwas sagen würde. Sie reflektiert nicht öffentlich über sich. Eine Autobiografie zu schreiben, sagte sie mal, könne sie sich nicht vorstellen. Es gäbe nicht genug zu erzählen. Stattdessen absorbiert sie die Reflektionen anderer. Sie ist wie eine Leinwand, auf der jeder sehen kann, was er möchte.