Promi-GeburtstagAudrey Hepburn liebte Hubert de Givenchy

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Der französische Modeschöpfer Hubert de Givenchy geht am 16.10.1995 in Paris nach der Vorstellung seiner letzten Kollektion unter dem Applaus seiner Models über den Laufsteg. Foto: Gerard Julien

Er war der Schnittmeister der großen Stilikonen. Greta Garbo, Jackie Kennedy und Grace Kelly verhalfen den Kreationen von Hubert de Givenchy zu großem Ruhm. Nicht zu vergessen Audrey Hepburn, die er in dem Erfolgsfilm „Frühstück bei Tiffany“ in das legendäre Kleine Schwarze steckte und sie zur Stilikone einer Generation machte. Das war vor 50 Jahren. Heute sei die Zeit der Eleganz in der Mode vorbei, sagte der ehemalige Modezar.

Zum Glück hat der Aristokrat des guten Geschmacks Ersatz gefunden. Mit derselben Leidenschaft, mit der Givenchy, der am 20. Februar seinen 85. Geburtstag feiert, grazile Samtbustiers und freche Glockenröcke entwarf, widmet er sich jetzt seinen Häusern, Gärten und seiner exquisiten Kunstsammlung. Die Gartenanlagen seines nordfranzösischen Renaissance-Schlosses von Jonchet und seiner südfranzösischen Villa auf Cap Ferrat sind Paradiese der Sinne. Seine Herkunft kann der hochgewachsene Schöpfer traumhafter Roben nicht verleugnen. Als geborener Graf Hubert James Marcel Taffin de Givenchy wurde ihm der gute Geschmack in die Wiege gelegt.

Elegante Meerjungfrauen
Paris Fashion Week, Frühjahr/sommer 2012: Givenchy

Der Liebhaber des Louis-14-Stils stammt aus einer wohlhabenden Familie. Sein Großvater war Direktor der historischen Gobelinfabrik im nordfranzösischen Beauvais. „In meiner Familie achtete jedes Mitglied sehr auf seine Kleidung. Das hat mich schon als Kind fasziniert und veranlasste mich bald, auch die Modegeschäfte genau zu studieren“, erklärte der Schöngeist in einem Interview.

Givenchy feierte vor mehr als 15 Jahren Abschied von der Modewelt und zeigte zuletzt mit seinen kleinen Etuikleidern in Orange und Kostümen mit knielangen, aufspringenden Röcken noch einmal das, was ihn berühmt gemacht hat: Eleganz, leicht und unaufdringlich. „Seine Modelle sind so einfach und vollendet gut geschnitten. Jedes Kleid folgt der Bewegung des Körpers“, sagte die Schauspielerin Audrey Hepburn, die er in „Sabrina“ in ein traumhaft weißes Kleid hüllte, in dem sie mit Humphrey Bogart und William Holden tanzte.

Mit Audrey Hepburn hatte Givenchy seine Muse gefunden: schön, schlank, grazil. „Sie hatte erstens die Figur eines Mannequins, dann hatte sie früher Ballettunterricht, sie wusste also, wie man sich bewegt, wie man geht. Sie hatte Klasse. Heute findet man das bei niemandem mehr. Früher gab es Stars wie Ava Gardner oder Marlene Dietrich. Das waren Frauen, von denen man träumte, die einen inspirierten“, schwärmt Givenchy. Wenn er sich heute Modezeitschriften anschaue, sei er entsetzt. Es gäbe weder Form, noch Harmonie, und die Menschen auf der Straße seien hässlich und nachlässig gekleidet, kritisierte er in einem Interview den modischen Zeitgeist.

Eigentlich hätte er Jurist werden wollen. Doch nachdem er 1937 auf der Weltausstellung in Paris Schauen der großen Couturiers gesehen hatte, begann er an der Akademie für Schöne Künste in Paris mit dem Modezeichnen und absolvierte im Modeatelier von Jacques Fath eine Lehre. Dort wurde er von Christian Dior entdeckt.

Mit gerade einmal 24 Jahren gründete Givenchy 1951 sein eigenes Haus. Doch als er im Februar 1952 seine erste Kollektion vorstellte, war die Modewelt schockiert: Während die anderen Couturiers in edlen Stoffen schwelgten, präsentierte der Newcomer eng sitzende Jerseykleider und leinene Abendroben. Doch auf den Schock folgte der Erfolg: Über guten Geschmack lässt sich scheinbar doch nicht streiten. Unter dem Namen Givenchy wird heute immer noch Haute Couture geschneidert. Der Italiener Riccardo Tisci setzt die klassische Linie als Chefdesigner fort.

Quelle: dpa