Lindsay Lohan"Wer arbeitet, sollte auch trinken dürfen"

Und so muss Lohans Agentin sich immer neue Ausreden für die Entgleisungen ihrer Klientin einfallen lassen:
– die Autounfälle? Verschuldet durch Paparazzi.
– Einlieferung ins Krankenhaus? Dehydrierung.
– Stripkurse? Recherchen für eine Rolle.
– Kein Höschen unterm Rock? Kein Kommentar.

Die Schauspielerin dagegen ist an Schadensbegrenzung nicht interessiert. Vor gut einem Jahr, sie stellte ihren neuen Film auf der Berlinale vor, sagte sie im Interview zuerst ganz brav: „99 Prozent der Geschichten über mich sind erfunden.“ Nur um zwei Fragen später zu antworten: „Ich finde, wer mit 18 arbeiten gehen kann, der soll auch trinken dürfen.“

Sie ist damals wie heute modeldünn, zappelig. Kratzt sich gedankenverloren den Lack von den Nägeln und zeigt einem stolz ihre neue Tätowierung. „Breathe“ steht auf der Innenseite ihres Handgelenks.

Eigentlich ein nettes Mädchen. Am liebsten möchte man sie mit nach Hause nehmen, ihr ein heißes Bad einlassen und ihr einen Teller Suppe einflößen. Noch lieber würde man, wenn man ehrlich ist, mit ihr feiern gehen. In der Schule wollte man ja auch nicht mit den Streberinnen befreundet sein, sondern mit den Mädchen, die heimlich auf dem Klo rauchten, sich ihre Jeans mit Edding bemalten und die Ohrlöcher mit einer Sicherheitsnadel stachen. Die sich nicht darum scherten, was andere über sie dachten. Während man selbst – klassisches Frauenproblem – darum bemüht ist, möglichst perfekt und kontrolliert zu sein, ist Lohan wie die Rebellinnen von damals.

Ungeschützt. Schamlos. Fordernd. Man muss nicht wie sie sein wollen, um sie für ihre Maßlosigkeit zu bewundern.

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"Wer arbeitet, sollte auch trinken dürfen"