Marie AntoinettePartyqueen

Text: Marlene Sørensen
Partyqueen

Warum Sofia Coppola ausgerechnet Cannes für die Weltpremiere von „Marie Antoinette“ ausgesucht hat, muss man vielleicht nicht verstehen. Jedenfalls wurde der Film von den Franzosen herzhaft ausgebuht.

„Marie Antoinette“ ist nicht der tiefgründige Film, den die Franzosen – und nicht nur die – von Sofia Coppola nach „Lost in Translation“ erwartet hatten. Er taugt auch nicht als Lehrmaterial für den Geschichtsunterricht. „Marie Antoinette“ ist ein zweistündiges Partyvideo.

Einerseits. Andererseits hat Coppola nie behauptet, sie würde einen Film nach den historischen Fakten drehen. Sie inszeniert die Geschichte Marie Antoinettes (leuchtend: Kirsten Dunst) von ihrer Heirat mit 14, über ihre Krönung zur Königin mit 18, bis sie mit Anfang 30 aus Versailles vertrieben wurde, als eine einzige Orgie.

Marie ist ein Fashion-Victim, das (historisch belegt) ein „Modeministerium“ benannte und Juwelen sogar zum Schlittenfahren trug. Coppola betrachtet die Exzesse der Königin nicht kritisch. Sie guckt ihr dabei eher liebevoll zu.

Ihre Marie Antoinette ist eine große Unbekümmerte. Eine Paris Hilton des Rokoko. Den Film zu sehen ist wie in einer Klatschpos-tille zu blättern: Promis auf Partys folgen auf Promis in Couture folgen auf Promigerüchte. Am Ende hat man viele bunte Bilder gesehen. An mehr kann man sich nicht erinnern. Viel mehr war ja auch nicht.

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