Marie AntoinetteStilvorlage

© Sony Pictures

Aber wurscht. Man amüsiert sich königlich dabei. Vor allem über Coppolas hippe Gegenwartsreferenzen: Die Musik zum Film lieferten Bands wie The Strokes und New Order, die Männer, die Marie Antoinette in einer Szene ein Ständchen bringen, erkennt man als die Frenchpopper Phoenix. In einer anderen Szene wird der nach der Regisseurin benannte Sofia-Champagner getrunken, in einer Montagesequenz blitzt ein Paar rosa Chucks auf.

Die Montage hat übrigens Bruder Roman Coppola verantwortet, der schon Musikvideos mit Phoenix drehte, mit deren Sänger Thomas Mars Sofia Coppola bald ein Kind bekommt. Ihr Cousin Jason Schwartzman spielt König Ludwig, Vater Francis Ford produzierte den Film. Hätte noch jemand aus dem Clan mitgewirkt, man hätte sich gefühlt wie in einem Insider-Witz.

Sofia Coppola ist nicht die Erste, die die maßlose Marie Antoinette als Stilvorlage entdeckt: In den 70ern feierte man im – wo sonst? – „Studio 54“ in gepuderten Perücken, und auch – wer sonst? – Madonna spielte gern Rokoko. Anfang des Jahres zeigten John Galliano für Dior und Alexander McQueen herrschaftliche Roben.

Es gibt sogar ein Magazin, das „Let Them Eat Cake“ heißt, nach Marie Antoinettes berühmtem Zitat, wenn der Pöbel sich kein Brot leisten könne, solle er doch Kuchen essen. Dass sie das wohl doch nie gesagt hat, tut nichts zur Sache: Es passt trotzdem gut.

Irgendwann waren die Schatzkammern leer und die kopflose Königin verlor ihr Leben auf dem Schafott. Coppolas Film endet allerdings, als die französische Revolution beginnt. Das ist nur konsequent. Eine Enthauptung hätte nicht zum Rest des rosa Films gepasst. „Marie Antoinette“ ist kein Meisterwerk wie „Lost in Translation“ oder gar lieblich wie „The Virgin Suicides“. Es ist ein Film über die perfekte Oberfläche. Unter der, wenn man an ihr kratzt, nur noch mehr Oberfläche ist. Das ist kein großes Statement. Aber es ist ein Film, der in diese Zeit passt. Oder muss man sagen: Der ihr gerecht wird? 
  MS

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