Meryl StreepDesignersachen sind wie Zwangsjacken

Designersachen sind wie Zwangsjacken
63. Filmfestival Venedig - 'The Devil wears Prada'

...gibt es da Gemeinsamkeiten zwischen Ihnen und Anna Wintour und Ihnen?
Ich glaube, es gibt eine Bürde, die uns tatsächlich verbindet. Dieser Gorilla, der uns überallhin folgt.

Welcher Gorilla?
Ich nenne es so. Ich meine dieses monströse Ding, die „Legende“, wenn Sie so wollen. Das stört oft bei der zwischenmenschlichen Kommunikation.

Woran merken Sie das zum Beispiel?
Wenn ich an den Drehort komme, spüre ich oft so eine abwartende Haltung. Die ist aber in der Regel vorbei, wenn ich meinen Text zum ersten Mal vergesse. Dann sagen alle: „Die beste was?“

Und wenn Sie ihn nicht vergessen?
Ich weiß, dass die Leute manchmal Angst vor mir haben. Aber meistens kann ich nichts dafür. Wenn ich am Set ganz normal nach einem Kaffee frage, wird die Bestellung von verschiedenen Menschen weitergegeben und jeder fügt etwas hinzu – „Sie mag keinen Zucker!“, „Es MUSS die und die Sorte sein!“, „Nein, es ist Splenda!“, „Will sie heiße oder kalte Milch?“. Dabei habe ich nur nach einem Kaffee gefragt. Es ist schon komisch.

Die Menschen haben zu viel Respekt.
Frauen, die bekannt sind, haben es schwer. Nehmen Sie Hillary Clinton. Ich bewundere sie. Echt. Ich glaube aber, weil sie bekannt und noch dazu smart ist, haben die Leute ein besonderes Gift für sie reserviert. Wäre sie 1,90 Meter groß, mit grauen Schläfen und einem Penis, kein Mensch würde ihr Barschheit oder Kälte vorwerfen.

Oder ihre Frisur.
Aaah, ein so wichtiges Thema! Die Frisuren der Damen in Washington! Die tragen da alle so eine Art Helm. Sehr symbolisch.

Das ist Ihr perfektes Platinhaar im Film auch.
Das ist Teil des Kostüms. Privat interessieren mich Mode und Frisuren überhaupt nicht. Die tollen Designer-
Sachen, die ich bei der Arbeit tragen durfte, finde ich ungefähr so bequem wie eine Zwangsjacke.

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