Meryl StreepFrauen hungern sich unsichtbar

Frauen hungern sich unsichtbar

Der Film thematisiert auch die Tatsache, dass in der Modewelt immer dünnere Models herumlaufen.
Diese Frage betrifft mich ja zum Glück nicht. Aber der Zwang zum Dünnsein ist ganz eindeutig eine Reaktion auf die Tatsache, dass heutzutage mehr Frauen als Männer Medizin, Jura und Wirtschaft studieren.

Wie bitte?
Ich behaupte mal, Frauen versuchen, sich unsichtbar zu hungern. Sie wollen so tun, als würden wir langsam verschwinden. Während wir in Wirklichkeit aber immer mehr Einfluss gewinnen. Wir leben in einer Zeit, in der die Geschlechter sich neu definieren müssen.

Manche Frauen klagen darüber, unter zu vielen Möglichkeiten wählen zu können.
Verstehe ich. Man hat nur ein Leben. Aber man muss eben versuchen, das Beste daraus zu machen.

Sie haben gut reden.
Da haben Sie recht. Ich habe viel Glück gehabt. Im Beruf ebenso wie mit meiner Familie.

Würden Sie sich für einen Mann aufopfern?
Ich habe mal die gesamte Baseball-Saison im Fernsehen verfolgt, nur um einem Mann zu gefallen! (lacht)

Und bringen Sie Opfer für Ihre vier Kinder?
Sagen wir so: Zu Hause bin ich nicht Meryl Streep, sondern, wie andere Mütter, Chauffeurin und Bankautomat.

Viele Frauen leiden auch unter Mehrfachbelastung.
Das verstehe ich. Aber ich finde, die Fähigkeit, viele Dinge gleichzeitig zu managen, ist auch etwas, was uns den Männern überlegen macht. Wir haben einen 360-Grad-Blick. Wir wissen, was hinter unserem Rücken passiert.

In welchen Situationen wird Ihnen das bewusst?
Als ich sehr jung war, arbeitete ich als Kellnerin. Ich konnte acht Tische gleichzeitig bedienen, ohne durcheinanderzukommen. Heute habe ich die Filme, die vier Kinder, meinen Mann, das Theater, die sozialen Belange – und es sind immer noch acht Tische. Alles im Griff.

Ein unvermeidliches Thema, über das wir noch reden müssen, ist Ihr Alter. Sie gehen damit sehr offen um.
Ich bin 57 und will keine Geschenke mehr.

Aber es gibt für Frauen über 35 in Hollywood nicht
gerade viele Rollen.

Nun, ich durfte sehr viel arbeiten in letzter Zeit.

Wieso gelten die Hollywoodregeln für Sie nicht?
Die gelten doch auch für meine Kolleginnen nicht mehr. Sissy Spacek war 20 Jahre in der Versenkung verschwunden und dreht jetzt einen Film nach dem anderen. Jessica Lange ist wieder gefragt …

Aber wie kommt’s?
Heute sitzen viel mehr Frauen in Hollywoods Schlüsselpositionen als früher, sie sind Produzentinnen und Studiobosse. Die geben grünes Licht für Filme, die vor zehn Jahren in der Vorproduktionshölle verschmort wären.

Trotzdem gibt es Konkurrenzkampf – die nächste Generation will ja auch ins Rampenlicht.
Ja, diese ganzen jungen Mädchen, Anne Hathaway, Lindsay Lohan … Mit wem habe ich noch gearbeitet? Mein Gedächtnis ist echt beschissen (lacht). Diese Mädchen sind blendend schön. Aber ich sehe sie, ehrlich
gesagt, nicht als Konkurrentinnen.

Keine Angst vor Lindsay Lohan?
Lindsay fasziniert mich. Wir haben gerade erst zusammen gedreht, wir spielen beide in Robert Altmans neuem Film „A Prairie Home Companion“. Die Paparazzi schwirrten konstant um sie herum. Alles, was ich sah, war, wie mit dem normalen Nachtleben einer 19-Jährigen Millionen Dollar gemacht wurden. Sie tat mir ein bisschen leid. Drei meiner Kinder sind genauso alt. Aber an ihren Ausschweifungen verdient Rupert Murdoch kein Geld.

Das beste am Älterwerden in Hollywood?
Man muss nicht nackt auf dem Cover von „Vanity Fair“ posieren.