Michael Michalsky „Ich wohne nicht im Elfenbeinturm“

 

Er gilt als einer der wichtigsten Designer Deutschlands und als König der Kooperationen: Michael Michalsky über Marken, Ziele und woher er weiß, was Frauen wollen.
Text: Veronika Schaller
© Yma, Foto: Stephan Gustavus
Show „Yma – zu schön, um wahr zu sein“ mit Bühnen-Couture von Michalsky (ab 01.09.2010 im Friedrichstadt Palast)
Michael Michalsky geht seinen Weg in Jeans, weil er es lässig mag. Mit Erfolg. Acht Jahre lang arbeitete er als Chefdesigner bei Adidas, bevor er 2006 sein eigenes Label „Michalsky“ gründete und zu einem der bedeutendsten Modemacher Deutschlands avancierte. Bekannt ist der 43-Jährige auch für seine Kooperationen.

Nach der Zusammenarbeit mit Tchibo 2007, entwarf er dieses Jahr eine Kollektion für das Waschmittel „Ariel“. Aktuell sind seine Kreationen in Form von 500 Kostümen auf der Bühne des Friedrichpalastes zu sehen – in der Show „Yma – zu schön um wahr zu sein“.
© Mercedes-Benz Fashion Week
Michael Michalsky
AMICA: Herr Michalsky, schon als Kreativdirektor bei Adidas vernetzten Sie Mode mit Musikern wie Missy Elliott und anderen Marken wie Stella McCartney. Warum?
Michael Michalsky:
Wenn es zwei Marken gibt, die irgendwie zusammenpassen und dadurch etwas Neues kreieren können, finde ich das cool. Vorbilder dafür gab es damals in den USA. Weil ich ahnte, dass es das Marketing-Konzept der Zukunft sein würde, ergriff ich die Initiative.

Heute haben Sie für Gestaltungsaufträge von anderen Unternehmen ein „designLab“ ins Leben gerufen. Keine Angst die eigene Marke zu schwächen?
Nein, denn mittlerweile machen das doch alle in allen Branchen. Zum Beispiel gibt es Smarties-Eis bei McDonalds. Außerdem wähle ich nur Marken aus, zu denen ich einen persönlichen Bezug habe. Wenn ich wollte, könnte ich noch viel mehr machen.

Und inwiefern passt etwa Ariel zu Michalsky?
Weil ich auch nicht meine ganze Wäsche in die Reinigung tragen will, lässt sich der Großteil meiner Sachen waschen. Es ist also glaubwürdig, wenn ich mit Ariel zusammenarbeite. Und das passt doch viel besser, als wenn ein Waschmittelhersteller mit einem Schauspieler wirbt.
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Hat Glaubwürdigkeit bei Ihnen Priorität?
Ja, ich will zu 100 Prozent hinter meinen Projekten stehen. Deshalb wähle ich die Marken ganz genau aus.

Was ist Ihnen noch wichtig?
Dass man meine Sachen wirklich tragen kann. Ich bin kein Designer, der im Elfenbeinturm wohnt. Das wurde mir am Anfang oft vorgeworfen. Wenn ich eine Fashion-Show gemacht habe, hieß es: Da sind ja so viele Sachen drin, die man anziehen kann … Und ich dachte: Das ist doch toll! In diese Richtung sollte Mode im 21. Jahrhundert meiner Meinung nach gehen.

Ist das der Grund für Ihren Erfolg?
Ich analysiere wohl ganz gut, was Leute wollen. Wenn es um Kaufverhalten und Anziehverhalten geht, orientiere ich mich an Bekannten. Für mich ist es nicht das Schönste, wenn ein Celebrity mit meinem 50.000-Euro-Kleid ein Mal über den Roten Teppich läuft ...

... prominente Fans wie Sibel Kekilli oder Bettina Zimmermann machen Sie also nicht glücklich?
Doch, natürlich. Aber noch mehr freue ich mich darüber, auf der Straße eine Frau mit einer meiner knackengen Jeans zu sehen.
© PR
Welche Frau trägt denn Michalsky?
Die Michalsky-Frau ist wie eine meiner Mitarbeiterinnen. Sie ist modebewusst, steht aber mit beiden Beinen im Leben. Tagsüber flitzt sie herum und möchte bequeme Schuhe zu Jeans tragen, für wichtige Meetings schlüpft sie in Kostüm oder Hosenanzug und abends zum Weggehen brezelt sie sich toll auf.

Sie beobachten Ihr weibliches Umfeld also genau?
Ja, denn 75 Prozent meiner Angestellten sind weiblich. Von Ihnen habe ich gelernt, dass Frauen mal sexy und mal schlunzig herumlaufen wollen. Sie sind sportlich, managen neben der Arbeit noch eine Familie. Die brauchen für alle Gelegenheiten etwas zum Anziehen und lassen sich nicht in Boxen einordnen.

Woher nehmen Sie die Ideen zu Ihren Designs?
Die Musik ist meine größte Inspirationsquelle. Im Moment finde ich zum Beispiel die australische Band „Empire of the Sun“ toll. Aber auch Kylie Minogue und die „Gorillaz“.

Wie würden Sie Ihren Design-Stil beschreiben?
Der Mix aus Streetwear-Elementen und Schneiderhandwerk macht es.
© Hubert Burda Media/Jens Hartmann
Michael Michalsky beim New Faces Award 2010 mit Chanel-Jacke
Ihr Design ist auch stark mit Ihrem Wohnort Berlin verbunden. Was lieben Sie an der Stadt?
In Berlin fühle ich mich jetzt so, wie ich mich fühlte, als ich nach der Schule von der Kleinstadt Göttingen nach London gezogen bin, um Mode zu studieren. Ständig passiert etwas und es gibt unendlich viele Möglichkeiten. Berlin ist außerdem eine richtige Weltstadt. Es erinnert mich an New York in den 80er Jahren. Kaum jemand kommt wirklich dort her, alle sind hingezogen. Durch die großen Unterschiede entsteht Kreativität.

Wer ist Ihr Vorbild?
Karl Lagerfeld. Wegen ihm bin ich Designer geworden. Heute finde ich ihn toll, weil er schon seit 50 Jahren erfolgreich ist. Außerdem ist er ein sehr offener Mensch.

Treffen Sie sich auch privat?
Nur zufällig. Aber er schickt mir oft Fotos oder Faxe, weil er weiß wie sehr ich ihn bewundere. Die Chanel-Jacke, die ich beim New Faces Award getragen habe, war zum Beispiel ein Geschenk von Karl.
© PR
Michael Michalsky umgeben von Models in zwei seiner Designs für Ariel (im Michalsky-Store in Berlin erhältlich)
Was denken Sie, wenn Sie auf Ihre bisherige Karriere zurückblicken?
Dass das Leben wie eine Treppe ist. Jede Phase, eine Stufe. Alles hat einen Sinn und alles hat mich weiter nach oben gebracht.

Verblüfft es Sie nicht manchmal, wie hoch Sie geklettert sind?
Doch, natürlich. Als Student hätte ich nie gedacht, dass das in diese Richtung gehen kann, dass ich einmal für Adidas oder Levi’s arbeiten werde. Von einem eigenen Label konnte ich nur träumen.

Kann es eigentlich noch besser werden?
Das kommt auch darauf an, wie man besser definiert. Bedeutet es, dass man noch mehr Zugang zu Leuten hat? Oder dass man noch mehr kreative Sachen macht? Dann glaube ich das schon. Man braucht schließlich Motivation.

Was wäre denn ihr Ziel?
Ich möchte, dass Michalsky ein richtig großes Lifestyle-Label wird. Für alle Lebensbereiche und überall zu kaufen. Auf der ganzen Welt.
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