Miuccia PradaIn Künstlerkreisen

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Und dann ist da noch ihre leidenschaftliche Liebe zur zeitgenössischen Kunst. In den Räumen der Fondazione Prada gibt sie Künstlern freie Bahn für große Auftritte. Der Installationskünstler Carsten Höller ließ dort riesige Fliegenpilze von der Decke wachsen und die japanische Techno-Schamanin Mariko Mori errichtete einen gläsernen „Dream Temple“.

Andreas Slominski war für eine seiner Installationen wochenlang mit dem Aufbau von Tierfallen beschäftigt. Miuccia Prada schaute immer wieder vorbei und bekannte mit Blick auf den am Boden Knieenden: „Ich mag Künstler, die ein bisschen verrückt sind.“ Darum gefällt ihr auch Tobias Rehberger, der Luxusautos nach dem Gedächtnis zeichnet und anschließend in Thailand bauen lässt. Die Gefährte bewegen sich sogar, wenn auch nur mühsam und mit rasselnden Geräuschen. Miuccia Prada hat gleich zwei gekauft: einen gelben Porsche und einen hellblauen Ferrari. Als sie und ihr Mann vor zehn Jahren ihre Kunststiftung ins Leben riefen, setzten sie Germano Celant als künstlerischen Leiter ein. Der Contemporary-Art-Experte öffnete dem Paar die Augen für spektakuläre Werke. Er flog mit den beiden in die abgelegenen Wüstengebiete Nordamerikas und zeigte ihnen dort die gigantischen Arbeiten von Land-Art-Künstlern.

Danach ließ Signora Prada einen vier Tonnen schweren Gesteinsbrocken von Michael Heizer nach Mailand bringen. Man musste dafür die Wände der Ausstellungshalle durchbrechen. Es war wie ein Befreiungsschlag. „Mein Verhältnis zur Kunst hat sich in den letzten Jahren radikal verändert“, erklärt Miuccia Prada. Sie sieht sich nicht mehr nur als Sammlerin, sondern beteiligt sich an den Produktionsprozessen.

In diesem Jahr hat die Prada-Stiftung ihr bisher teuerstes Projekt finanziert. Der deutsche Künstler Tobias Rehberger konnte sich auf diese Weise seinen lang gehegten, komplizierten Traum erfüllen: einen Film vom Ende her zu realisieren. Also mit dem Werbeplakat für „On Otto“ zu beginnen und sich dann an Vertonung, Schnitt und Drehbuch zu machen. Für die einzelnen Sequenzen konzipierte Rehberger ineinander verschachtelte, halb transparente Pavillons in Neonfarben. Mit ihrer Unterstützung für Rehberger beweist Miuccia Prada einmal mehr ihr Faible für Querdenker, die sich aufs Glatteis der Logik begeben und mit ihren Werken hinterfragen wollen, „ob die Dinge wirklich so sind, wie wir sie wahrnehmen“. Deshalb schätzt sie auch Thomas Demand, der ebenfalls die Trennlinie zwischen Schein und Sein auslotet.

Er fotografiert Räume, baut sie dann en miniature aus Papier und Pappe nach, fotografiert das Modell und vernichtet es anschließend. Auf diesem Umweg entstehen Aufnahmen, die ein bisschen wie Computeranimationen aussehen, wie Abbilder von unscharfen Erinnerungen. Anlässlich der diesjährigen Biennale in Venedig zeigte die Prada-Stiftung auf der Insel San Giorgio Maggiore den monströsen Aufwand, der Demands „Grotto“ voranging. Ausnahmsweise wurde die Vorlage aufbewahrt und ausgestellt – eine Tropfsteinhöhle aus 900 000 Einzelteilen. Und jeder wollte das kleine Wunder aus Pappe sehen. Das Vaporetto, das die Gäste zur Eröffnung brachte, drohte jeden Augenblick wegen Überfüllung zu kentern.

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