Designer-Portrait Grazie Valentino
Seine Kleider sind Komplimente an die Schönheit der Frau. Nun feiert Valentino Garavani den 45. Geburtstag seines Labels. Simone Herrmann über den Latin Lover der Mode.
Text: Simone Herrmann
Seine Kleider sind Komplimente an die Schönheit der Frau. Nun feiert Valentino Garavani den 45. Geburtstag seines Labels. Simone Herrmann über den Latin Lover der Mode.Der kleine Junge windet sich aus dem Griff seiner Mutter, die ihn an sich ziehen und zurück ins Bett bringen will. „Caterina wird nicht mehr kommen.“ Nervös und belästigt schiebt der siebenjährige Valentino ihre Hände beiseite. „Sie hat es versprochen“, murmelt er. Auf einmal hört er einen Wagen in den Hof fahren, Stoff raschelt und ein junges Mädchen nimmt ihn in die bloßen Arme.
Valentino befühlt ihr Gesicht, ihr Haar, die kalten Steine an ihren Ohren und den Tüll am Rand ihrer Schultern. „Caterina!“ An diesem Abend geht seine Cousine zu ihrem ersten Ball, aber weil er so sehr darum gebettelt hatte, ist sie auf einen Sprung vorbeigekommen, damit er sie als Erster sehen kann, noch vor allen anderen. „Sie trug ein Ballkleid aus rosa Tüll, das mit Pailletten bestickt war, und dazu ein Cape aus Marabufedern“, erzählt der Couturier. 68 Jahre sind seit jener kleinen Szene in seinem Elternhaus in Voghera, südlich von Mailand, vergangen, aber Italiens Modezar erinnert sich an jedes Glitzersteinchen, so als hinge das Modell gerade vor seinem Schreibtisch im römischen Palazzo Mignanelli.
„Für mich“, sagt Valentino, „war sie eine Märchenfee.“ Das Bild von damals, seine Cousine Caterina im Ballkleid, begleitet ihn bis heute. Frauen sind Märchenwesen für ihn geblieben. Glamouröse Geschöpfe, die, wie Ginger Rogers, durch die Revuen seiner Kindheit tanzten.
© AFP
Zurück in Rom gründet Valentino 1959 sein eigenes Label: ein finanzielles Desaster, das er erst bewältigt, als er ein Jahr später Giancarlo Giammetti trifft. Sein langjähriger Lebens- und Geschäftspartner hält ihm den Kopf frei, damit er sich ganz seinem Design widmen kann. „Ich möchte den Körper einer Frau umschmeicheln“, erklärt er seine anmutigen Modelle, „nicht bloßstellen.“
Ein Credo, das schnell Stadtgespräch wird. Bei den jungen Damen der römischen Gesellschaft ebenso wie bei den Diven aus Cine-città. Aber der eigentliche Durchbruch gelingt ihm 1968 mit seiner Collezione Bianca – kurze, trapezförmig geschnittene Cocktailkleider, Babydolls und Negligés aus gepünktelter Tüllspitze, handschuhfeinem Leder, Chiffon, Strick und Satin, hingetupfte, schwebend-leichte Silhouetten – eine Sinfonie in Weiß.
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