Fashion-News Galliano im Abwärtstrend
Kurz vor Prozessauftakt braucht John Galliano einen neuen Anwalt. Mit seinem alten beklagt sich der Designer zusätzlich zu den Rassismusvorwürfen. Die Hintergründe:
Text: Cornelia Saatzen
Nichts ist clean mit John Galliano. Auch seine Verteidigung nicht. Am 12. Mai gibt die 17. Kammer des Pariser Gerichtsdie Verhandlungstermine in der Rassismusangelegenheit bekannt. Kurz zuvor legt sich der Ex-Dior-Designer mit seinem Anwalt Stéphane Zerbib an. Galliano klagt ihn wegen schweren Vertrauensmissbrauchs an. Der Anwalt habe Gelder veruntreut. Das lässt der Maître nicht auf sich sitzen und erhob seinerseits Klage gegen den gefallenen Designer.Der Modekreateur mit der Aura eines Rockstars war nach Äußerungen im Vollsuff “I love Hitler!” und antisemitischen Pöbeleien gegen Besucher in seinem Pariser Stammcafé, Anfang März fristlos von Dior gefeuert worden. Kurz bevor die Prozesstermine für zwei Klagen, die gegen den Kreateur laufen, bekannt gegeben werden, legte sein bisheriger Anwalt, Stéphane Zerbib, sein Mandat nieder. Nach eigener Aussage war es Gallianos Entscheidung, den Anwalt zu wechseln, nach Angaben Zerbibs musste sich Galliano den Umständen fügen. Aurélien Hamelle übernahm nun die Verteidigung.
Welche Gründe auch immer zum Anwaltswechsel geführt haben – in zwei Angelegenheiten muss John Galliano sich vor der Justiz verantworten: im Vollrausch hatte er ein Touristenpaar in seinem Pariser Stammcafé übel beschimpft und im Oktober letzten Jahres eine Frau heftig rassistisch angepöbelt. Beide Parteien haben Klage erhoben. Nun drohen ihm sechs Monate Haft und 22 500 Euro Bußgeld.
Die größte Strafe allerdings hat er schon bekommen. Das Modehaus Dior entließ fristlos sein enfant terrible, dessen Exzentrik bislang stets sein Markenzeichen war. Zudem wurde im April nach 17 Jahren schließlich auch von seiner eigenen Marke, zu 91 % im Besitz von Dior, entkernt. Mit Pro-Hitlerparolen wollte das Modehaus auf keinen Fall in Zusammenhang gebracht werden. Die letzte Kollektion von Galliano für Dior wurde ohne den Designer präsentiert.
Galliano steht heute mit 50 vor einem Trümmerhaufen. Aber der Modezirkus dreht sich weiter, auch ohne ihn.
Mit Galliano ging eine Epoche zu Ende: die Zeit der exzentrischen Starkreateure ist vorbei. Halten kann sich in der Modewelt nur, wer verantwortlich ist. So etwa urteilt Karl Lagerfeld über ihn: „Wenn man an der Spitze eines immensen Business’ ist, muss man seinen Laden auch führen können und darf sich nicht gehen lassen. Reden Sie mir bloß nicht vom Stress der Kollektionen! Das wäre alles ein bisschen zu einfach. Wenn man Lampenfieber hat, muss man einen anderen Job machen."














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